Serapias parviflora PARLATORE (1837)
-

Kleinblütiger Zungenständel

Syn.:
Serapias occultata DAY ex CAVALIER 1848

Standort: vornehmlich auf alkalischen bis saurem Untergrund, ist aber auch über Kalk anzutreffen in Brachland, Olivenhainen, in lichten Kiefernwäldern und lockerer Phrygana. Sie scheint etwas feuchtere Stellen zu bevorzugen.

Verbreitung:
Der Kleinblütige Zungenständel kommt beinah im gesamten Mittelmeergebiet vor. Östlich von Zypern bis nach Westen über die Iberische Halbinsel erstrecken sich die Vorkommen. Im Süden dringt er bis nach Nordafrika vor und im Norden bis in die französische Bretagne und mit einem Fundort im südwestlichen Teil der britischen Insel.
Auf Korsika trafen wir diese Art nur im äußersten Süden um Bonifacio und Südweste
n von Porto Vecchio bis Fautea.
Laut dem Bericht von C. & V. BOILLAT in Ber. Arbeitskr. Heim. Orchid. 20 (2):2003 ist Serapias parviflora praktisch im gesamten Inselbereich anzutreffen.
Die Höhengrenze liegt bei 1200 m.

Blütezeit:
von (Anfang) Mitte April
bis Mai (Anfang Juni).

Merkmale:
Habitus:
zierlich kleine bis mittelgroße Pflanze mit einer Wuchshöhe bis zu 30 cm. Der hellgrüne Stängel ist an der Basis braun-purpurn gestrichelt, im Blütenstandsbereich teilweise purpurn überlaufen; Laubblätter lineal- lanzettlich, spitz auslaufend, hellgrün bis bläulichgrün, die unteren abstehend bis überhängend, meist den Boden berührend, die relativ langen oberen Blätter sind steil aufwärts gerichtet und nicht selten den unteren Teil des Blütenstandes erreichend.
Blütenstand locker und armblütig, zu Beginn der Anthese eher gedrängt, später dann verlängert; das Hochblatt (das in den Schauapparat der Blüte integrierte Tragblatt) kürzer oder so lang wie der Blütenhelm und purpurn überlaufen.
Blüten 3 - 10, klein, selbstbestäubend, bereits knospend mit deutlich angeschwollenem Fruchtknoten
Sepala hellgrau- grünlich oft etwas rötlich überlaufen, lanzettlich, zugespitzt 13 - 18 mm lang und außen nerviert.
Petala etwas kürzer als Sepala, am Grund lang eiförmig und allmählich in eine schlanke Spitze auslaufend
Lippe zweigliedrig, a
m Grund befinden sich zwei dunklere, parallel zueinander stehenden bis leicht divergierenden Schwielen. Das Lippenhinterteil mit den nach oben gebogenen Seitenlappen verschwindet fast vollständig im Perigonhelm, das keilförmige Vorderteil (Epichil) ist kurz und stark nach hinten gebogen.

17.04.2006 Terzalini / Südkorsika
15.04.2006 Bonifacio / Südkorsika - Habitus -
15.04.2006 Bonifacio / Südkorsika

Hybriden:
trotz der Autogamie sind Hybriden mit Serapias parviflora beobachtet worden.
Unter anderem sind Hybriden bekannt mit:
Serapias bergonii, Serapias vomeracea, Serapias cordigera, Serapias lingua und Serapias neglecta
.

 

15.04.2006 Bonifacio / Südkorsika - ein Größenvergleich-
17.04.2006 Terzalini / Südkorsika - im Biotop mit Ophrys morisii und Anacamptis pyramidalis, Aceras anthropophorum -
15.04.2006 Bonifacio / Südkorsika - vorsichtig freigelegte Lippe mit dem kompletten Pollenpaketen aus den Pollenfächern --