Anacamptis pyramidalis (L.) L.C.M. RICHARD (1817)

Pyramidenorchis
Bas.:
Orchis pyramidalis LINNÉ (1753)
Syn.:
Aceras pyramidalis (L.) REICHENBACH (1851)

Standort: Sie bevorzugt sonnige und warme Standorte auf meist trockenen, seltener wechselfeuchten, basenreichen Böden.
In Istrien besiedelt sie vor allem die ehemals beweideten Halbtrocken - bis Trockenrasen, Cistrosenmacchie in den Küstengebieten, im Halbinselzentrum die Wiesen in Dolinengeländen, Trockenrasen mit Wacholdergebüsch und anderem lockeren Buschbestand, grasige Mergelhänge mit Gebüsch, lichte Stellen in lockerem Eichenbuschwald und nicht zuletzt sehr häufig grasige Straßen- und Wegränder.

Verbreitung:
Das Gesamtverbreitungsareal erstreckt sich beinah über das gesamte Europa, Nordafrika und Vorderasien. Im Norden erreicht sie Öland und Gotland im südskandinavischen Raum und die Hebriden im britischen Bereich.
Beginnend in Nordafrika und der Iberischen Halbinsel erstreckt sich das Gebiet von Westen nach Osten über gesamt Südeuropa bis in den Kaukasus und Nordwest- Iran. In Osteuropa erreicht sie in Rumänien und Südwestrußland ihre östliche Verbreitungsgrenze.
In Istrien ist es eine häufige Orchidee, die an allen einigermaßen geeigneten Stellen vorkommt. Sie ist über den gesamten Raum der Halbinsel verbreitet.

Blütezeit:
In Istrien wurden mehrfach zwei Blühschübe beobachtet. Während der erste Schub in der zweiten Maihälfte mit Höhepunkt Ende Mai/ Anfang Juni blüht, beginnt der zweite Schub erst Anfang oder Mitte Juni aufzublühen.
Wenn der zweite Schub in Hochblüte steht, ist der erste verblüht oder zumindest abblühend.
Die Pflanzen des zweiten Schubes weisen zudem kleinere Blüten, einen grazileren Wuchs und kleinere Blütenstände auf und wurden erst kürzlich als eigene Unterart Anacamptis pyramidalis L.C.M RICHARD ssp. serotina H. PRESSER (2007) beschrieben.
Es ist gut möglich, dass wir an dieser Stelle auch Pflanzen der spätblühenden Unterart abbilden. Leider haben wir bei unseren Besuchen auf den Blütezeit- Unterschied nicht allzuviel Augenmerk gerichtet, da wir es für normal hielten, dass es knospende wie auch abblühende Pflanzen innerhalb eines Biotopes geben kann. Im Nachhinein ist es uns unmöglich,
anhand von Fotos weitere Unterschiede herauszustellen.

Merkmale
Habitus:
Zierliche, hochwüchsige schlanke Pflanze, deren Wuchshöhe von 20 - 60 cm betragen kann.
Am Grunde des relativ dünnen, gelblich grünen, zuweilen im Blütenstandsbereich bräunlich überlaufenen Stängels sitzen 1 - 2 rinnig gefaltete, länglich-lanzettliche oberseits hellgrüne, ungefleckte Blätter, die bis zu 25 cm lang und 2 cm breit werden können. Nach oben folgen weitere 3 - 4 schräg aufwärts gerichtete, kleiner werdende Blätter. Im oberen Stängelabscnitt finden sich weitere kleine, schuppenförmige Blättchen, die dann fast den Blütenstand erreichen.
Blütenstand: Nur zu Beginn der Anthese pyramidenförmig, später dann je nach Blütenanzahl und -dichte kugelig, eiförmig bis kegelförmig, in der Regel dicht mit meist mehr oder weniger einheitlich hellroten Blüten besetzt. Die Färbung der Blüten kann von reinweiß über hellrosa bis kräftig karminrot variieren. In Istrien allerdings gelang uns nie der Fund eines weißen Exemplares. Die Pflanzen sind hier in der Regel dunkelrosa bis leuchtend pupurrot. Die Tragblätter sind fast so lang wie der Fruchtknoten, lanzettlich und wie dieser braun-rötlich überlaufen.
Sepala: seitliche flügelartig abgespreizt, spitz, eiförmig lanzettlich, das mittlere etwas kleiner und über das Säulchen geneigt
Petala kleiner als Sepala, mit dem mittlerem Sepal einen Helm über der Säule eine mehr oder weniger lockeren Helm bildend
Lippe 6 - 9 mm,
in etwa so lang wie breit, tief dreilappig, wobei die Tiefe der Einschnitte einer recht großen Variabilität unterliegen. So kommen ebenfalls Exemplare mit kaum oder gar nicht eingeschnittenen Lippen vor.
Meist sind
die Seitenlappen aber wenig kleiner oder gleichgroß wie der Mittellappen.
Als einzige Vertreterin ihrer Gattung besitzt sie an der meist etwas helleren Lippenbasis 2 deutliche Längsleisten, die zum Sporneingang hinführen und so dem bestäubendem Falter das Einführen des langen Rüssels in den Sporn erleichtern sollen.
Ebenfalls einzigartig innerhalb der Gattung Anacamptis ist die Ausbildung der Narbe bei An. pyramidalis. Mit blosem Auge sichtbar sind nur die zwei großen, links und rechts des Sporneinganges sitzenden und deutlich voneinander getrennten, seitlichen Narbenlappen. Der mittlere ist extrem zurück- gebildet.
Sporn: nektarführend, fadenförmig dünn, zum Ende spitz auslaufend, in der Regel ungefähr so lang wie der Fruchtknoten (10 - 15 mm) und abwärts gerichtet.

05.06.2006 Draguc - typischer Blütenstand -
23.05.2004 St. Bembo - Habitus -
04.06.2006 Mandriol - als Blütenbesucher der Östliche Schmetterlingshaft Libelloides macaronius -
21.05.2004 Rovinj - hier gut zu erkennen sind die 2 seitlichen Narbenlappen links und rechts des Sporneinganges und die Leisten auf der Lippenbasis -
21.05.2004 Rovinj - auch die Wuchshöhe und die Größe und Dichte des Blütenstandes kann - wahscheinlich aufgrund des Pflanzenalters - recht variabel sein -
Hybriden:
mit Anacamptis coriophora ssp. coriophora, An. coriophora ssp. fragrans, An.morio s.l., An. laxiflora, An. palustris, An. papilionacea ssp. expansa, An sancta, Gymnadenia conopsea und Gymnadenia odoratissima und Serapias lingua bekannt.
21.05.2004 Rovinj
04.06.2006 Mandriol - sehr kräftiger und dichter Blütenstand -21.05.2004 Rovinj 23.05.2004 St. Bembo - die namensgebende Form der aufblühenden Infloreszens -
23.05.2004 St. Bembo - im Biotop; begleitende Orchideen sind hier An papilionacea (FR) An morio (FR), Ophrys untchjii (HB-AB), Ophrys illyrica-