Neotinea tridentata (SCOPOLI) R.M. BATEMAN, PRIDGEON & M.W. CHASE (1997)

Dreizähniges Knabenkraut
Bas.: Orchis tridentata SCOPOLI 1772
Syn.
Orchis variegeta ALLIONI 1785
Orchis tridentata SCOPOLI 1772

Standort: Neotinea tridentata ist eine lichtbedürftige, wärmeliebende und vor allem kalkstete Art. In Istrien besiedelt mäßig geneigte Trocken- und Halbtrockenrasen mit lockerem Wacholderbestand, wiesige Dolinengelände mit lockerem, xerophilen Buschbestand oder lichtem Eichenwald, Kalkhänge mit Kiefern, grasige Mergelhänge mit Erosionsrinnen und teilweise Quellzonen. Ihre größten Bestände bildet sie auf Böden mit hohem Kalkgehalt und felativ geringem Verfilzungsgrad der Grasnarbe.
Aufgrund der zunehmenden Nutzungsaufgabe der ehemals extensiv bewirtschafteten Weideflächen ist es nicht ausgeschlossen, dass im bisher noch sehr guten Gesamtbestand dieser Art in Istrien deutliche Verluste in absehbarer Zeit drohen.
Auf zu große Verbuschung und Verfilzung reagiert sie empfindlich.

Verbreitung:
Der Verbreitungsschwerpunkt liegt im zentralen und östlichen Mittelmeerbereich. So erstrecken sich ihre Vorkommen einigermaßen zusammenhängend von Südfrankreich über Italien, den Südrand der Alpen, die Balkanhalbinsel bis zur Westtürkei. Ab hier strahlt sie über die küstennahen Gebiete der Schwarzmeerküste bis zum Kaspischen Meer und südlich in die Levante.
Die nördlichsten Vorkommen bilden die bemerkenswerten inselartigen mitteleuropäischen Vorkommen in Deutschland und Polen.
In Istrien ist sie derzeit noch gut vertreten und kommt beinah im gesamten Halbinselbereich vor, während der Schwerpunkt im zentral-nördlichen halbinselbereich liegt und sich nach Süden hin langsam ausdünnt.

Blütezeit:
In Istrien beginnt die Blüte Ende April/ Anfang Mai, und endet Ende Mai/ Anfang Juni; Höhepunkt
Mitte Mai

Merkmale
Habitus:
Schlanke Pflanze mit Wuchshöhen zwischen 15 - 30, seltener bis 40m cm. Am Grund des hellgrünen, im oberen Bereich grau-grünen, kantigen Stängels finden sich 2 - 3 silbrig- grüne, lanzettliche und ungefleckte Blätter, die oberseits nicht selten Reihen "aufgeblasener" Zellen aufweisen. Nach oben folgen weitere 2 - 3 Blätter, wobei das oberste den Stängel scheidig umfasst und über die Stängelmitte reicht.
Blütenstand: blassrosa bis intensiver violett, kaum duftend, zu Beginn der Anthese halbkugelig, im weiteren Verlauf kegelig bis zylindrisch werdend, wobei die Blüten nicht gänzlich rundum gehen, sondern an der meistbeschatteten Seite mit deutlichen Lücken in der Infloreszens, sonst dicht- und vielblütig; Tragblätter rötlich überlaufen und lang zugespitzt, etwas so lang wie der Fruchtknoten.
Sepala und Petala: am Grunde miteinander verwachsen, während die Sepalblätter zu langen, bei den seitlichen nach außen gebogenen Spitzen ausgezogen sind, die als namensgebend betrachtet werden, und intensiv rot und längs geadert sind. Die Petala sind schmal zungenförmig, ebenfalls lang und spitz ausgezogen aber kleiner als die Sepala und sind locker oder sich überkreuzend über die Säule geneigt. Die Spitzen erreichen die Spitzen der Sepala.
Lippe ist bis zu 10 mm langer und 6 mm breit, tief dreigeteilt mit nochmals geteiltem Mittellappen, in dessen Ausbuchtung ein kleines Zipfelchen sitzt.

In der Grundfarbe ist die Lippe weißlich- blassrosa, jedoch mehr oder weniger intensiv mit dunkelrosa bis purpurroten Flecken über den gesamten Lippenbereich besetzt.
Die Intensität der Teilung sowie der Färbung und Fleckung der Lippe ist variabel.
Selten treten auch reinweiße wie auch intensiv rot gefärbte (hyperchrome) Exemplare auf.

Sporn: nektarlos, in etwa halb so lang oder so lang wie der gedrehte Fruchtknoten, zylindrisch und abwärts gerichtet

11.05.2002 Beram / Istrien
22.05.2004 Draguc - voll erblühte Inflorszens, oben mit Schnellkäfer als Bestäuber -
22.05.2004 Draguc
22.05.2004 Draguc
Hybriden: Mit Neotinea lactea und Neotinea ustulata bekannt.
22.05.2004 Draguc
11.05.2002 Beram / Istrien - typisches Biotop
22.05.2004 Draguc