Barlia robertiana (LOISELEUR) W. GREUTER (1967)

Roberts Mastorchis

Bas.:
Orchis robertiana
LOISELEUR 1806

Syn.:
Orchis longibracteata BIVONA-BERNARDI 1809 nom. illeg.
Aceras longibracteatum (BIVONA-BERNARDI) REICHENBACH 1851 nom illeg.
Barlia longibracteata (BIVONA-BERNARDI) PARLATORE 1858 nom. illeg.
Loroglossum longibracteatum MORIS ex ARDOINO 1867
Himantoglossum longibracteatum (BIVONA-BERNARDI) SCHLECHTER 1918 nom. illeg.
Himantoglossum robertianum (LOISELEUR) P. DELFORGE 1999

Verbreitung:
Mediterranes bzw. submediterranes Florenelement mit Verbreitung im fast gesamten Mittelmeerraum, ausgenommen der Levante und des nördlichen Adria- Gebietes.
Auf Sardinien ist sie nicht selten und ist in vielen, für kalkliebende Orchideen geeigneten Biotopen zu finden.
Allerdings ist die Individuendichte dieser Art in der Regel nicht sehr hoch. Meist steht diese prächtige Orchidee in kleinen Grüppchen oder vereinzelt zwischen etlichen weiteren Orchideenarten.

Standort:

auf trockenen bis frischen, basischen bis neutralen Böden. Zu den Biotopen zählen Trockenrasen, Brachland, extensiv genutzte Weiden, Olivenhaine mit leichtem Unterwuchs, grasige Straßenränder sowie lichte Kiefern- oder Hartlaubwälder.
Von Meereshöhe bis 1700 m aufsteigend, jedoch überwiegend in der planaren bis collinen Höhenstufe vorkommend.

Blütezeit:

beginnt relativ früh, teilweise bereits im Februar mit der Blüte und kann bis Mitte April blühend vorgefunden werden.
Auf Sardinien liegt die Hauptblütezeit zwischen Mitte und Ende März.

Merkmale:
Habitus:
Auffallende, meist sehr kräftige und hohe (25-80 cm) Pflanze mit großen, eiförmigen, ungefleckte, oberseits glänzenden, fleischigen Blättern die am Grund rosettig gehäuft sind; Stängel dick, im oberen Bereich oftmals etwas braunrötlich überlaufen
Blütenstand in der Regel zylindrisch, sehr dicht und reichblütig, durchwirkt mit auffallenden kräftigen Bracteen, wobei die unteren deutlich länger als die als die Blüten sind und besonders in der aufblühenden Phase auffällig "herausstechen".
Blüten groß, mit etwas Abstand betrachtet meist etwas "schmutzig" wirkend.
Sepala: seitliche an der Basis abstehend, dann nach vorn zusammengeneigt, in der Grundfarbe grünlich, außen oft schmutzig rot überlaufen, innseitig rot punktiert, seitliche 10 - 15 mm lang und 5 - 9 mm breit
Petala 7 - 11 mm lang und 1,5 - 3 mm breit, grün, mit dem mittleren Sepal über der Säule einen Helm bildend.
Lippe: am Grund mit zwei Langsleisten schmal entspringend, sich aber sofort keilförmig verbreiternd;
Lippenrand vor allem an den Seitenrändern gewellt, Seitenlappen abstehend und zangenförmig ausgebildet, Mittellappen am Ende in 2 Zipfel nochmals geteilt;
Lippe im Zentrum meist weißlich mit roter Zeichnung, jedoch ohne Härchen oder Saftmalen wie bei der Gattung Himantoglossum.
Sporn vorhanden, abwärts gerichtet, kurz, konisch und sackförmig mit Nektarium nahe der Spitze, maximal die Hälfte des Fruchtknotens erreichend
Narbe lang dreieckig, oberhalb des Sporneingangs sitzend
Pollinien Stiele mit einer gemeinsamen Klebscheibe, die von einem kleinen Häutchen, der Bursicula, umgeben ist.
Bestäubung: durch Insekten

Anmerkung:

Die Gattungen Barlia wie auch Comperia könnten, müssen aber nicht (!) mit der Gattung Himantoglossum vereinigt werden, wie es von verschiedenen Autoren praktiziert wird.
Wir behandeln sie als Schwestergattungen zu Himantoglossum.

Bemerkenswert ist die hohe Konstanz der morphologischen Merkmale der hier vorgestellten Art/ Gattung im gesamten Verbreitungsgebiet.
Lediglich auf Teneriffa existiert mit Barlia metlesicsiana eine weitere Art, die sich aber auf das Gebiet dieser Insel beschränkt.
Barlia robertiana scheint genetisch sehr stabil, da sich bis auf die oben genannte Art auf Teneriffa keine Ökotypen oder andere Arten in dem großen Verbreitungsgebiet herausbilden konnten.
Bemerkenswert außerdem ist, dass bis zum heutigen Tag keine Hybriden mit der Beteiligung von Barlia bekannt geworden sind, was auf eine sehr effektive Isolation des Genpools durch verschiedene Schutzmechanismen hinweist.

31.03..2007 Dorgali Foto: KATJA GRABNER
31.03..2007 Dorgali

 

Hybriden:
keine nachgewiesen.