Ophrys normanii J.J. WOOD (1983)

Normans Ragwurz

Bas.:
Ophrys normanii J.J. WOOD (1983
)
Syn.:
Op. maremmae nssp. normanii (J.J. WOOD) H. BAUMANN & KÜNKELE (1986)
Op. maremmae ssp. woodii CORRIAS (1983)

Verbreitung:
Endemit Sardiniens mit einem recht kleinen Verbreitungsgebiet im Südwesten der Insel.

Standort:

vollsonnig bis halbschattig in lichten Steineichen- bzw. mediterranen Laubwald-Mischbeständen und lockerer Garrigue, gern auf eher frischem, etwas moosigen, basischem bis leicht saurem Untergrund.

Blütezeit:

Anfang April bis Mai, etwas nach Ophrys neglecta und wenig vor Ophrys cherstermanii, wobei bei unserem Besuch alle drei Arten in der ersten Aprilhälfte gemeinsam blühend vorkamen.

Anmerkung:
Ophrys normanii wurde bisher als eine, sich in der Entwicklung bzw. Festigung befindliche Art hybridogenen Ursprungs zwischen Ophrys chestermanii und Ophrys neglecta behandelt. Von ersterer soll sie die enorme Blütengröße "geerbt" haben.
In der Tat sind beide Taxa in der Größe ihrer Lippen fast gleich, Op. normanii eher sogar größer.
Wir fragten uns bereits im Biotop, wie es sein kann, dass eine derart große Blüte entstehen kann, wenn ein Kreuzungspartner Mühe hat, die 10 mm Lippenlängenmarke zu erklimmen.
Zu allem Überfluss werden chestermanii und normanii von der gleichen Hummel bestäubt, nämlich Bombus vestalis.
Ob Ophrys normanii und Ophrys chestermanii eventuell parallel enrwickelte Arten sind, ist Gegenstand aktueller chemischer und genetischer Untersuchungen.

Merkmale:
Habitus:
Pflanze kräftig, für eine tenthredinifera- Sippe hochwüchsig zwischen 25 bis 50 cm, Laubblätter lang- lanzettlich, an frischen Standorten oberseits glänzend, relativ dunkel grün, auf trockneren Standorten eher kürzer und breiter und mehr rosettig angeordnet.
Blütenstand realtiv dicht mit bis zu 9 sehr großen Blüten.
Blüten mit sehr großen, meist kontrastreichen Lippen, wobei das Perigon im Vergleich zur Lippengröße wie ein "Geschenbändchen" wirkt.
Sepala: in der Regel blass, grünlich bis hellrosa gefärbt, meist mit grünlichem Einschlag, im Umriss oval abgerundet mit zurüchgeschlagenen Rändern, ca. 9 mm lang und 7,5 mm breit. Das mittlere in Form und Größe den seitlichen ähnlich.
Petala ca. 4 - 6 mm lang wie breit, behaart dreieckig, farblich wie die Sepala oder etwas dunkler, am Ende zugespitzt oder abgerundet.
Bei Exemplaren mit lang dreieckig ausgezogenen und rötlich gefärbten Petala ist ein Einfluss von Ophrys chestermanii denkbar und gab eventuell in der Vergangenheit Anlass zu der Annahme einer hybridogenen Entstehung von Ophrys normanii zwischen Op. chestermanii und Op. neglecta.
Lippe: sehr groß, im Durchmesser bis zu 25 mm, verlängert trapezoid in ausgebreitetem Zustand (sichtbar bei frisch aufgegangenen Blüten), später dann rundlich konvex gewölbt mit gerade nach unten gestellten oder leich aufwärtsgebogenen distalen Seitenrändern, farblich meist stark kontrastiert mit samtig-dunkelbraunem Lippenzentrum und breiten grünlich bis honig- bis leuchtend gelben, dicht behaarten distalen Lippenrändern.
Lippenmal klein, kahl, auf den basalen Teil des Lippenzentrums beschränkt, dunkel violett bis fast schwarz, etwas heller grau umrandet, Basalfeld klein, dunkelbraun bis schwarz, beschränkt auf den "Abhang" unterhalb der Schwielen.
Narbenhöhlengrund schwarz mit dicken, dunkel-olivfarbenen bis schwarzen, glänzenden, wulstartigen Schwielen
Bestäuber: Bombus vestalis

10.04.2007 Domusnovas
10.04.2007 Fluminimaggiore
10.04.2007 Fluminimaggiore

10.04.2007 Domusnovas - ein Größenvergleich -

Hybriden:
mit Op. chestermanii bekannt.
10.04.2007 Fluminimaggiore
10.04.2007 Domusnovas - "Jailpic" mit Maßstab im Millimeter-Raster -
10.04.2007 Fluminimaggiore
10.04.2007 Domusnovas - im Biotop, weitere Arten Anacamptis longicornu und Ophrys chestermanii -
10.04.2007 Fluminimaggiore - Exemplar mit auffällig verlängerten Petala, welche an einen Einfluss von op. chestermanii denken lassen -
10.04.2007 Domusnovas - Exemplar mit einer etwas eigenwilligen Lippemform - 10.04.2007 Fluminimaggiore - im Biotop -