Epipactis leutei K. ROBATSCH (1989)

Leutes Ständelwurz
Synonym:
Epipactis helleborine ssp. leutei (ROBATSCH) KREUTZ 2004

Verbreitung: Sichere Nachweise dieser offenbar sehr seltenen Unterart existieren vom Locus typicus aus dem österreichischen Kärnten und dem nahe gelegenen Slowenien (M. L. PERKO 2004).
Mittlerweile wurden auch Vorkommen aus der Tschechischen und Slowakischen Republik veröffentlicht ( P. BATOUŠEK 2005, J. VL
ČKO 2003).
Ob es sich dabei allerdings tatsächlich um Epipactis leutei handelt, ist anhand der Aufnahmen in den jeweiligen Publikationen schwierig zu beurteilen.
Höhe
nverbreitung:
im österreichisch- slowenischen Gebiet zwischen 800 und 1000 Metern, im tschechischen Gebiet zwischen 250 und 600 m.
Standort:
submontane, schattige, krautarme Rotbuchen- Tannen- Fichtenmischwälder mit hoher Luftfeuchte auf skelettreichem, kalkhaltigem Untergrund.
Offenbar ist diese Art sehr anspruchsvoll an ihre Umgebung. Ein wichtiger Aspekt scheint die hohe Luftfeucht
igkeit und eine ausreichende Luftzirkulation zu sein. In ihrer unmittelbaren Umgebung finden sich bemerkenswert viele weitere, meist sehr seltene Orchideenarten, die ähnliche Vorlieben haben. Dazu zählen beispielsweise Corallorhiza trifida, Epipactis microphylla, Epipogium aphyllum, alle mitteleuropäischen Cephalanthera- Arten und auch die eher wärmeliebende Epipactis muelleri.
Auf längere Hitzeperioden und anhaltende Trockenheit reagiert sie sehr empfindlich. Eingriffe in die wenigen und relativ individuenarmen Biotope würden sie sehr gefährden!
Blütezeit: je nach Verlauf des Frühsommers; in normalen Jahren von (Mitte) Ende Juli bis Anfang (Mitte) August

Merkmale:
Habitus:
Wuchshöhe zwischen 25 und 45 (50) cm, teilweise mehrere Triebe aus einem Rhizom treibend;
Stängel relativ dick, im unteren Bereich (bis zum ersten Laubblatt) meist purpurn überlaufen, nach oben hin dann hellgrün, im Bereich des Blütenstandes kurz aber dicht behaart, oftmals leicht hin und her gebogen
Niederblatt 1-2, oval, rötlich, kurz bespitzt, 2 cm lang, 1cm breit
Laubblätter
3 - 5, (im Verhältnis zur Pflanzengröße weniger als bei Ep. helleborine ), dunkelgrüner bis blaugrün(!), waagerecht abstehend, im Vergleich zu Ep. helleborine relativ klein, lanzettlich, zugespitzt, am Rande leicht gewellt, derb und ledrig wirkend, stark nerviert mit manchmal violett gefärbten Hauptnerven
, sowie violettem Blattansatz
Hochblätter 1 (0), eher tragblattähnlich , schmal lanzettlich, lang zugespitzt, 7 cm lang x 2 cm breit
Brakteen schmal lanzettlich, lang zugespitzt, die untersten von auffallender Länge (bis zu 6 cm lang, 1 cm breit), die mittleren 2,5 cm lang x 0,4 cm breit
Blütenstand mehr oder weniger einseitswendig, 15 - 20 cm lang, 10 - 20 Blüten tragend, Blüten
Fruchtknoten länglich, spärlich behaart
Blüten in der Größe etwas kleiner als bei ssp. helleborine, weit geöffnet und leicht nach unten nickend, Blütenstielchen grün, am Ansatz etwas dunkler, jedoch nicht violett gefärbt (!), Fruchtknoten spindelförmig und auch als Frucht relativ schlank und leicht bogig bleibend
Sepala außen grün mit bräunlichem Kiel und Nervatur oder "schmutzig" rötlich überlaufen, innen hellgrün mit dunkleren Nerven, lanzettlich, schmäler als bei Ep. helleborine

Petala weißlich-grün mit rosa- Schimmer und rosa- Nervatur, kleiner als Sepala und weit abgespreizt (!), was die Blüten sehr weit geöffnet wirken lässt
Hypochil
(Lippenhinterteil) farblich variierend von grün-bräunlich, rotbräunlich bis weinrot, nektarführend
Durchgang vom Hypochil zum Epichil
variierend von sehr eng (schlüssellochförmig) bis normal "U"- förmig
Epichil
(Lippenvorderteil) etwas länger als breit, länglich herz- bis pfeilförmig, ab und an ähnlich wie bei Ep. neglecta seitlich herabgeschlagen, grünlich bis rosa gefärbt mit 2 , im Vergleich zu Ep. helleborine etwas schwächer entwickelten Calli und einem mehr oder weniger stark entwickelten Mittelcallus
Säule
zur Fruchtknotenachse deutlich (ca. 45 °) nach oben gerichtet, Rostellum mit gut entwickeltem und funktionstüchtigem Viscidium, Klinandrium mit deutlich ausgeprägter Mittelleiste; Narbe rechteckig und deutlicher zentraler Höhlung
Pollinien länglich, etwa ein Viertel ihrer Länge über das Viscidium herausstehend (bei
Ep. helleborine nicht der Fall!), bei frisch aufgegangenen Blüten in Kompaktheit vergleichbar mit ssp. helleborine, zu späterem Zeitpunkt jedoch von oben her leicht bröselig werdend
Bestäubung allogam (Fremdbestäubung), worauf auch der eher schwache Fruchtansatz hinweist.

30.07.2006 Abtei/ Kärnten
30.07.2006 Abtei/ Kärnten - Habitus einer Einzelpflanze, der Stängel ist bis zum ersten Laubblatt meist violett überlaufen --
30.07.2006 Abtei/ Kärnten
30.07.2006 Abtei/ Kärnten - bie Blüten sind in der Regel weit geöffnet und leicht nach unten nickend -
Hybriden: ??
30.07.2006 Abtei/ Kärnten - die Blütenstiele sind nicht violett überlaufen -
30.07.2006 Abtei/ Kärnten - das Säulchen sthet zur Fruchtknotenlängsachse schrag nach oben, die Anthere ist kaum gestielt, die Pollinien stehen über das Viscidium hinaus - 30.07.2006 Abtei/ Kärnten - im Biotop -
30.07.2006 Abtei/ Kärnten - der fast rechteckige Narbenbereich ist dem der Epipactis helleborine sehr ähnlich und besitzt eine tiefe zentrale Höhlung- 30.07.2006 Abtei/ Kärnten - die Pflanzen bevorzugen krautarme, schotterige Stellen im sonst sehr kraut- und artenreichen Rotbuchen- Tannen- Fichtenmischwald -

Unterschiede zwischen
Epipactis helleborine
Epipactis leutei
(aus dem gleichen Biotop)
Die Stängelbasis ist bei leutei in der Regel mehr oder weniger intensiv bis zum ersten Laubblatt violett gefärbt. Allerdings muss man sagen, dass wir dieses Merkmal auch schon bei helleborine - Pflanzen bei uns im nördlichen Voralpenland beobachten konnten. Das Grundblatt ist bei leutei relativ groß, die darauf folgenden ersten Laubblätter allerdings sehr klein, kleiner als bei ssp. helleborine. Die Blattfärbung ist bei ssp. leutei dunkler und eher blaustichig.

Ep. helleborine bevorzugt eher etwas lichtbegünstigtere Standorte. Im Habitus unterscheiden sich beide Unterarten schon recht deutlich in Blattgröße, - form und - färbung.
Der Stängel ist bei Ep. leutei nach oben hin relativ kräftig bleibend. Ein auffallender Unterschied sind die extrem langen unteren Tragblätter bei leutei.

Beide Aufnahmen wurden im exakt selben Abbildungsmaßstab aufgenommen und hier abgebildet. Die Blüten von helleborine sind etwas größer als bei leutei. Auch ist die Färbung bei helleborine im allgemeinen intensiver. Allerdings muss hier die extreme Variabilität von helleborine berücksichtigt werden. Bei Ep. leutei ist das Epichil nicht selten wie bei Ep. neglecta schräg nach unten umgebogen. Blüten mit diesem mehr oder weniger stark ausgeprägten Merkmal sind in jedem Blütenstand zu finden.
Das Perigonbei
Ep. leutei ist weitaus mehr geöffnet und die blasser gefärbten Petala sind relativ weit abgespreizt.
Das Viscidium ist bei Ep. helleborine kräftiger ausgebildet, die Pollinien sind kompakter (außer Ep. helleborine steht an extrem schattigen und dann zumeist sauren Standorten).
Auffallend ist, dass die Pollinien bei
Ep. leutei wesentlich weiter über den oberen Narbenrand ragen. Sonst sind sich beide Unterarten gerade im Narbenbereich sehr ähnlich.
Der Hamulus ist bei
Ep. leutei vorhanden, jedoch reicht der Klebstoff offenbar nicht bis in die oberen Bereiche der Pollinien, so dass diese dann von oben her, bei Trockenheit, schnell bröselig werden.