- Epipactis pontica TAUBENHEIM (1975)

Pontus-Ständelwurz
Syn.:
Epipactis helleborine ssp. pontica (TAUB.) SUNDERMANN (1980)
Epipactis persica ssp. pontica (TAUB.) H. B
AUMANN & R. LORENZ (2005)

Verbreitung: Beschrieben wurde Epipactis pontica 1975 von der türkischen Schwarzmeerküste, dem Pontus, wo sie in dunklen und feuchten Buchenwäldern zerstreut vorkommt. Größere Bestände sind auch dort eher selten, oftmals werden nur Einzelexemplare vorgefunden (KREUTZ 1998). Ostwärts, über die Türkei hinaus, erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet über Georgien bis Aserbaidschan.
1987 wurde diese Art dann auch in der Steiermark in Österreich gefunden, jedoch zunächst für Epipactis albensis gehalten und teilweise als diese veröffentlicht. Mittlerweile sind in Österreich eine ganze Anzahl von Vorkommen bekannt. Ein Schwerpunkt ist beispielsweise das südliche Burgenland, wo die Art bis in das nahe gelegene Ungarn ausstrahlt. Weitere Vorkommen sind aus der Slowakei, Tschechien, Slowenien und Rumänien bekannt. Funde in Bulgarien, was die Verbreitungslücke zur türkischen Schwarzmeerküste schließen würde, sind zu erwarten.

Höhenverbreitung
in Mitteleuropa unter 1000 m, im Mittelmeergebiet bis 1200 m aufsteigend.
Standort:
ausreichend boden- und luftfeuchte Rotbuchen- Hainbuchenwälder auf kalkhaltigen tonigen Böden mit aufgelockerter oder fehlender Krautschicht und mäßiger Laubschicht, meist in mehr oder weniger starker Hanglage mit zeitweiser Besonnung durch das lichte Kronendach. Sie kann auch wie an einer Stelle in der Steiermark an Straßenrändern mit geringer Laubauflage und genügend Licht recht stattliche Pflanzen und Populatioen bilden.
Als Begleitpflanzen in Österreich finden sich unter anderem Efeu (Hedera helix), Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens). Begleitende Orchideenarten sind in erster Linie Neottia nidus-avis, seltener Epipactis nordeniorum
und Ep. albensis. An einem Fundort konnte auch ein Exemplar vom Epipogium aphyllum nachgewiesen werden.

Blütezeit: spät, (Ende Juli) - Anfang - Ende August (Anfang September), etwa zeitgleich mit Epipactis albensis und Epipactis nordeniorum in Österreich

Merkmale:
Habitus:
Wuchshöhe 7-25 cm, selten bis 40 cm hoch, zarte, meist zierliche, kleine und unauffällige in der Regel wenigblütige Ständelwurz in der Regel ohne jegliche Rottöne im Blütenstand.
Stängel drahtig dünn, oft etwas hin und her gebogen, ab dem obersten Laubblatt zunehmend dicht weißfilzig, deutlich stärker als bei Epipactis albensis behaart
Niederblätter 1 - 2, schuppig, zur Blütezeit meist bereits braun; erstes Laubblatt oval, tütig und stumpf bis leicht spitz, im Mittelmeergebiet recht hoch (ca. 60 mm) über dem Boden angesetzt, in Mitteleuropa meist weniger hoch.
Laubblätter
(2 - 5) meist aber 4, relativ lang, 3 - 8 mal länger als breit und 3 - 5 mal länger als die Stängelglieder, eilanzettlich bis schmallanzettlich, hell- dunkelgrün, flach ausgebreitet bis rinnig, am Rand leicht gewellt, zunächst schräg aufwärts gerichtet dann aber waagerecht abstehend bis leicht überhängend, "weich und geschmeidig" wirkend
Hochblätter meist 1 - 2, können aber auch fehlen, tragblattartig lanzettlich, spitz
Brakteen schmal lanzettlich, eher klein und unauffällig, waagerecht abstehend, die unteren können zwar mehr als doppelt so lang wie die Blüten sein, bei kleineren Pflanzen allerdings überragen sie die Blüten kaum oder sind sogar kürzer.
Blütenstand kurz, etwa ein Viertel bis ein Drittel des Triebes einnehmend, locker und wenigblütig, nur selten über 12 Blüten, kleine Pflanzen mit 1 - 2 Blüten, allseits orientiert bis leicht einseitwendig, Blütenstandsachse deutlich behaart
Fruchtknoten kurz gestielt, kaum behaart, eiförmig, zur Fruchtreife bis zu 6 mm Durchmesser anschwellend
Blüten klein, abwärts geneigt, seltener waagerecht abstehend; gelbgrün, meist glockig teilweise weiter geöffnet, bei ungünstiger Witterung auch gar nicht öffnend und in der geschlossenen Blüte selbstbestäubend
Sepala hellgrün stets ohne Rottönung, länglich oval, meist zugespitzt endend und eine Glocke bildend, 6 - 8 mm lang und 2 - 4 mm breit, die seitlichen überragen die Lippe kaum
Petala nur wenig kleiner, etwas heller als die Sepala, außen mit deutlich hervortretendem grünem Mittelnerv, nur undeutlich bespitzt
Hypochil
(Lippenhinterteil) schüsselförmig kreisrund bis längsoval, außen grünlich weiß, innen variierend von olivgrün bis bräunlich, selten etwas rötlich, nektarlos oder nur wenig Nektar produzierend.
Bemerkenswert ist, dass Epipactis pontica von Ameisen überhaupt nicht besucht wird, währenddessen Epipactis albensis im gleichen Biotop
von ihnen regelrecht bevölkert wird.
Durchgang vom Hypochil zum Epichil
breit "U"- förmig
Epichil
(Lippenvorderteil) dem Hypochil nicht eng aufsitzend, sondern durch eine deutliche Taille von ihm getrennt, rundlich bis queroval im Umriss mit leicht bespitztem oder meist stumpfem Ende, ausgebreitet bis konvex gewölbt mit leicht nach unten bis hinten gerichtetem Ende; in der Grundfarbe weiß, mit grünlichen (sehr selten leicht rosa) Randschwielen und grüner bis bräunlicher, glatter Mittelschwiele
Säule
kurz und schräg nach vorn gerichtet mit kurzem, nur an der Basis angedeutetem Klinandrium, Rostellum lang ausgezogen mit auffälligem weißem knorpelig-runzlig
em Viscidium, was aber nicht klebt und somit funktionslos im Sinne einer Fremdbestäubung ist, aber recht lang scheinbar "frisch" bleibt;
Anthere kurz gestielt, "stützt" sich auf dem Rücken des Rostellums auf und überragt das Viscidium
Pollinien bereits in der Knospe und bei geschlossener Anthere von extrem pulvriger Konsistenz; sobald die Anthere sich öffnet verteilt sich der lose Pollen über den gesamten Narbenbereich
Bestäubung obligat autogam (Selbstbestäubung)

01.08.2006 Fresing / Steiermark
10.08.2006 Südburgenland/ Österreich - Habitus -
10.08.2006 Südburgenland/ Österreich - Blütenstand -
01.08.2006 Fresing / Steiermark - das Epichil endet nicht immer stumpf, sondern ist auch hin und wieder leicht bespitzt -
01.08.2006 Fresing / Steiermark
01.08.2006 Fresing / Steiermark - zum Teil stehen die Pflanzen auch am lichtbegünstigten Straßenrand -
Hybriden: mit Epipactis helleborine und Epipactis persica bekannt
01.08.2006 Fresing / Steiermark - die rechte Seite der Anthere ist aufgerissen und die losen Pollen "quellen" regelrecht heraus -
-
02.08.2006 Rein/ Steiermark - die Anthere ist hier noch komplett geschlossen, gut zu erkennen ist das Rostellum mit dem kräftigen aber funktionslosen Viscidium, der kissenförmige Narbenbereich und der konsolenartig aufgesetzte untere Narbenlappen, der auch wie beim unteren Bild geteilt sein kann -
01.08.2006 Fresing / Steiermark - die Länge der Laubblätter kann innerhalb einer Population recht variabel sein -
02.08.2006 Rein/ Steiermark
01.08.2006 Fresing / Steiermark - die Anthere ist kurz gestielt und "stützt sich auf den Rücken des Rostellums -
08.08.2006 Neuhodis / Burgenland - Biotop mit Epipactis pontica, Epipactis nordeniorum und Epipactis helleborine
09.08.2006 Punitz / Burgenland