Epipactis bugacensis ROBATSCH (1990)

Bugac-Ständelwurz

Wuchshöhe 20- 50 cm.
Benannt ist diese Ständelwurz nach einer Region in Ungarn.
Der dünne, steife Stängel ist im unteren Teil nur spärlich, im Blütenbereich dicht und flaumig behaart.
Die 4-6 kleinen Laubblätter umschließen den Stängel manschettenförmig, sind eiförmig lanzettlich und mehr oder weniger schräg aufwärts gerichtet.
Die lanzettlichen Tragblätter sind etwas kürzer bzw. gleich lang wie die Blüten inkl. Fruchtknoten.
Der eher einseitwendige Blütenstand ist relativ locker mit sehr kleinen (etwa so groß wie bei E. microphylla), kaum geöffneten und mehr oder weniger nach unten nickenden Blüten besetzt.
Das aussen grüne, tief, topfförmige Hypochil (Nektarschüsselchen) ist innen mit braunem Nektar gefüllt, was einen recht regen Insektenbesuch z.B. von Ameisen bewirkt.
Das Epichil (Lippenvorderteil) ist breit herzförmig, am Rand grob gezähnt, im Grundton grünlich gelb gefärbt und besitzt zwei flache, violett gefärbte Calli und eine zurückgeschlagener Spitze.
Recht variabel kann das Merkmal des Überganges von Hypo- zu Epichil sein. Die Beobachtungen reichen hier von sehr weit bis sehr eng.
Die weit über dem oberen Narbenrand stehende Klebscheibe ist in den meisten Fällen zwar entwickelt, jedoch im Zustand der offenen Blüte praktisch funktionslos. Die Pollinienpakete zerfallen bereits in der Knospe und gelangen auf den oberen Rand der seitlich zipfelig ausgezogenen Narbe.
Die Anthere ist deutlich gestielt.
Das Verbreitungsgebiet ist mit Sicherheit noch nicht zur Gänze erforscht.

Sie besiedelt vornehmlich gestörte Wuchsorte mit genügend Luftfeuchtigkeit, wie z. B. im Bereich von Gemäuern im Flußuferbereich.
Gern steht sie nur wenig höher als der normale Flußpegel in Bereichen, die bei etwas Hochwasser überschwemmt, somit vom Laub der umstehenden Auwald bzw. -gebüsche befreit und mit Sedimenten neu bereichert werden.
Ganz so konkurrenzschwach wie es zunächst scheint ist sie aber doch nicht, denn sie steht auch weiter oben am Flußdamm, teilweise in unmittelbarer Nachbarschaft zu Brennessel und Kanadischer Goldrute, was auf eine gewisse Stickstoffverträglichkeit der grazilen Orchidee hinweist.
In ihrer Nähe kommen Ep. helleborine und Ep. atrorubens vor.
Blütezeit ist von Ende Juni bis Mitte/ Ende Juli, ca. zur gleichen Zeit wie Ep. atrorubens und etwas früher als Ep. helleborine.

18.07.2004 Neurum / Tirol
18.07.2004 Neurum / Tiro - Habitus -
Hybriden:
mit Ep. helleborine bekannt.
18.07.2004 Neurum / Tirol - Einzelblüte -
18.07.2004 Neurum / Tirol - die Säule von der Seite -
18.07.2004 Neurum / Tirol - Habitus -
18.07.2004 Neurum / Tirol - eine beinah frisch geöffnete Blüte -
18.07.2004 Neurum / Tirol - nickende, glockig geöffnete Blüten -
18.07.2004 Neurum / Tirol - das Biotop am Innufer -