Orchis spitzelii SAUTER ex W. D. J. KOCH (1837)

Spitzels Knabenkraut

Wuchshöhe 20- 40 cm.
Der hellgrüne Stängel dieser sehr seltenen Orchideenart ist im oberen Bereich rötlich-braun überlaufen.
Die eiförmig-lanzettlichen Laubblätter sind rosettig am Stängelgrund angeordnet, fleischig, hellgrün glänzend
und ungefleckt.
Der breitzylindrische Blütenstand ist mehr oder weniger dicht, mit relativ großen, attraktiven sowie charakteristischen Blüten besetzt. Die Tragblätter sind wie der Stängel in diesem Bereich gefärbt undungefähr so lang wie der Fruchtknoten.
Die aussen rot überlaufenen, innen grün gefärbten und rot gepunkteten Perigonblätter bilden einen lockeren Helm über der Säule und machen diese Art trotz der recht großen Variabilität im gesamten Verbreitungsgebiet unverwechselbar.
Das rosa bis purpurn gefärbte und mit dunkelroten Punkten oder Strichen gezeichnete Labellum ist tief dreilappig mit vorgezogenem Mittel- und herabgeschlagenen Seitenlappen.
Die seitlichen Ränder der Narbenhöhle bilden am Auslauf zwei deutlich sichtbare Schwielen, was dem Spitzels Knabenkraut das charakteristische "Treppenabsatz-Profil" verleiht.
Der kräftige, kegel- sackförmige Sporn ist stets nach unten gerichtet, stumpf endend und etwas länger als die Hälfte des Fruchtknotens.
Orchis spitzelii ist offensichtlich eine sehr alte, ursprüngliche Orchideenart, die heute nur noch sporadische, inselförmige Standorte in einem ehemals sehr großen Verbreitungsgebiet aufweist.
Heute liegt der Verbreitungsschwerpunkt in den Gebirgen Südeuropas. Die nördliche Grenze liegt auf der Insel Gotland, südlich reicht sie bis Nordafrika, westlich die iberische Halbinsel und östlich bis in den Libanon.
In Deutschland ist das letzte Vorkommen bei Nagold bereits vor über hundert Jahren durch Wegebau erloschen. Lediglich im Grenzgebiet Deutschland / Österreich auf österreichischer Seite gibt es noch einen Fundort im deutschsprachigen Raum, welcher höchste Schutzpriorität verdient hätte.
In der Literatur werden kalkhaltige Böden als Standorte angegeben, was auf den österreichischen nicht unbedingt zutreffend ist. Hier stehen die Pflanzen teilweise inmitten von Erica carnea- Kissen, was auf saure Bodengegebenheiten schließen läßt.
Als begleitende Orchideen im österreichischen Bereich ist vor allem Coeloglossum viride zu nennen.
Bemerkenswert fanden wir das häufige Vorkommen des sonst recht seltenen Drachenmauls (Horminum pyrenaicum) im gesamten Bereich.
Die Höhenverbreitung liegt zwischen 800 bis beachtlichen 2000 m.
Blütezeit von Ende Mai bis Ende Juni.

10.06.2004 Salzburger Land / Österreich
10.06.2004 Salzburger Land / Österreich
10.06.2004 Salzburger Land / Österreich - Habitus -
Hybriden:
mit Orchis langei, Orchis mascula, Orchis pallens, Orchis patens und Orchis provincialis bekannt.
10.06.2004 Salzburger Land / Österreich - Blütenstand -
10.06.2004 Salzburger Land / Österreich
10.06.2004 Salzburger Land / Österreich - Biotop -

10.06.2004 Salzburger Land / Österreich
Pflanze inmitten eines KIssens von Erica carnea
(Schnee-Heide) im vorderen Bereich die Laubblätter von Horminum pyrenaicum -