- Ophrys praecox (CORRIAS) J. DEVILLERS-TERSCHUREN & P. DEVILLERS (1988)

Frühe Ragwurz
Bas.: Ophrys sphegodes ssp. praecox CORRIAS 1983
Typus: Sardinien, Sassari, 1983

Anmerkung: Im Habitus ähnelt sie der wesentlich häufiger vorkommenden Ophrys incubacea. Obwohl sie beide mehr oder weniger weitläufig zum sphegodes-Formenkreis gehören, sind die Blüten gut zu unterscheiden. Ophrys incubacea besitzt auf Korsika stets grüne Sepala und eine schwarz-braune, am Rand stark bis zottig behaarte Lippe mit großen, auf der Innenseite kahlen Höckern.
Unterschiede zu Op. morisii werden auf der morisii-Seite dargelegt.

Individuen mit leuchtend grünem Sepala könnten gelegentlich Hybriden mit Op. incubacea und somit den Grund für Fundmeldungen von Ophrys sphegodes von Korsika darstellen.
Hybridschwärme mit Op. morisii können auftreten.


Standort:
ähnlich Ansprüche wie Ophrys morisii. Sie steht gern vollsonnig bis halbschattig auf basischen bis leicht sauren, trockenen bis frischen Böden und besiedelt Garriguen, offenes, mageres Gelände mit Buschwerk, Straßenränder und Brachen. Öfters steht sie auch in von Menschen beeinflußten, "gestörten" Biotopen.
Wir hatten den Eindruck, dass Op. praecox kalksteter als morisii ist und auf Korsika wesentlich seltener vorkommt. Vor allem auf dem Kalkplateau von Bonifacio stehen sie oft zusammen im Biotop.
Außerhalb der Kalkgebiete konnten wir keine Exemplare mehr auffinden - auch keine verblühten.

Blütezeit:
Februar - März, an den letzten Blüten kann man sich erfreuen, wenn Op. morisii aufblühend oder in Hochblüte ist.

Verbreitung:
endemisch auf Sardinien und Korsika

Merkmale:
Habitus: schlanke Pflanze mit (15-) 20-40 (-50) cm Wuchshöhe, Blütenstand 3-10 blütig und locker.
Sepala weißlich bis blassrosa, manchmal mit grünen Einschlägen, besitzt aber eine auffällige zentrale grüne Nervatur. Geformt sind sie oval-lanzettlich, 10-15 mm lang und 5-8 mm breit, und weist ebenfalls umgebogenen Kanten auf.
Petala kahl(!), lineal-lanzettlich und stumpf endend (Hinweis auf sphegodes), 7-11 mm lang und 2-4 mm breit mit weißlichem Zentrum, welches rosa, rötlich oder gelblich, etwas intensiver als die Sepala gefärbt ist. die Ränder sind sanft gewellt, intensiver als der zentrale Teil gefärbt. Die Farben variieren von weißlich bis orange-rot.
Lippe oft waagerecht abstehend, dunkel rotbraun, ganzrandig oder schwach dreigelappt, seitlich deutlich behaart, oval bis halbrund, in ausgebreitetem Zustand 11-15 mm lang und 10-18 mm breit, etwas bis stark konvex gewölbt meist mit schwach ausgebildeten Höckern. Lippenrand kahl und heller braun, meist unsichtbar unter die Lippe gebogen.
Lippenmal das kleine Basalfeld einrahmend, glänzend grau bis blau gefärbt mit feiner hellerer Umrandung. Meist als einfaches H -Mal ausgebildet.
Anhängsel sehr klein, einteilig, eingebettet in eine flache Kerbe.
Narbenkopf eingeschnürt

Bestäuber: Andrena thoracica und Andrena nigroaenea - interessanterweise bestäuben sie hier im Gebiet eine Art, während sie im ostmediterranen Bereich als unterscheidentes Art-Merkmal zwischen Op. herae und Op. grammica angeführt werden. (PAULUS H. F. & P. SCHLÜTER (2006): Jahresber. naturwiss. Ver. Wuppertal 60: 100 -151)

09.04.2006 Bonifacio / Süd-Korsika - ca.4-fach vergrößert bei einer Auflösung 1280 x 1027 -
09.04.2006 Bonifacio / Süd-Korsika -Habitus -
09.04.2006 Bonifacio / Süd-Korsika

Hybriden:
mit Ophrys speculum, Op. morisii, Op. lupercalis und Op. incubacea bekannt.

09.04.2006 Bonifacio / Süd-Korsika -ein Größenvergleich -
09.04.2006 Bonifacio / Süd-Korsika - ca.4-fach vergrößert bei einer Auflösung 1280 x 1027 -
09.04.2006 Bonifacio / Süd-Korsika - ca.2-fach vergrößert bei einer Auflösung 1280 x 1027 -
09.04.2006 Bonifacio / Süd-Korsika - nict unbedingt schön, aber oftmals recht artenreich sind die Straßenränder auf Korsika -