Anacamptis morio (L.) R.M. BATEMAN, PRIDGEON & M.W. CHASE (1997)

Kleines Knabenkraut
Bas.:
Orchis morio LINNÉ (1753)

Verbreitung:
Fast im gesamten europäischen Raum, nördlich bis Süd-Skandinavien
, im Osten bis in den Kaukasus.
Die Verbreitungsgrenzen in Nordafrika und dem Nahen Osten sind noch nicht geklärt. Im Norden wird Süd-Schweden erreicht.

In Mitteleuropa sind die Bestände im vergangenen Jahrhundert alarmierend zurückgegangen. So ist die Art vielerorts, vor allem nördlich des Mains verschwunden oder vom Aussterben bedroht.
Da sie sehr konkurrenzschwach ist, reagiert sie empfindlich auf jeglichen Düngereintrag.

Standort:
meist vollsonnig auf Halbtrocken- und Trockenrasen, Magerweiden bzw. magere Mähwiesen, seltener feuchte, magere Riedwiesen auf basenreichen bis kalkhaltigen aber auch neutralem Untergrund.
Begleitende, zu dieser Zeit blühende Pflanzen sind beispielsweise der Frühlingsenzian, Mehlpriemel, Kreuzblümchen, Trollblume und an Orchideen Neotinea ustulata, Orchis mascula ssp. speciosa und Ophrys insectifera.
Die Höhengrenze liegt bei ca.1200 m.

Blütezeit:
frühblühend, in Mitteleuropa von Anfang April bis Anfang Juni, mit Schwerpunkt um Anfang/ Mitte Mai.

Merkmale:
Habitus:
Wuchshöhe 5- 30 cm.
Der Stängel der kleinen, robusten Pflanze ist hellgrün, bei den dunkel blühenden Exemplaren im oberen Bereich braunrot überlaufen und relativ kräftig.
Die ungefleckten, lebhaft grünen Laubblätter sind am Grund rosettig angeordnet, lanzettlich geformt mit der größten Breite in der Mitte und kurz bespitzt endend. Oberseits besitzen sie oft Reihen mit aufgeblasenen Zellen.
Die hautartigen Tragblätter sind meistens dunkelviolett überlaufen und etwas länger als der Fruchtknoten.
Der Blütenstand variiert in seiner Form von gedrungen kurz bis zylindr
isch und ist locker bis dichtblütig.
Blüten
mittelgroß, Blütenfarbe recht vielgestaltig, Grundfarbe meist rotviolett - rosafarbene oder reinweiße Exemplare sind nicht allzu selten
Sepala und Petala schief eiförmig, stets grünlich genervt, helmartig über der Säule zusammengeneigt
Lippe
breiter als lang - im Umriss rundlich, meist dreilappig, manchmal auch fast einteilig, auf dem hellen Lippenmittelteil mit einem mehr oder weniger groben Punktmuster gezeichnet. Der Mittellappen ist nur wenig länger als die meist herabgeschlagenen , relativ breiten Seitenlappen.
Sporn
zylindrisch- keulig, schräg aufwärts gebogen und etwas kürzer als der Fruchtknoten.

Variabilität:
Die Farbe der Blüten kann von rein weiß bis dunkel blau- violett in allen Varianten vorkommen.
Neben weißen gibt es selten auch rosafarbene Exemplare.
Auch der Blütenstand reicht von lockerblütig, an die mediterrane Unterart picta erinnernd, bis zu extrem dichtblütig mit fast riesigen ausgebreiteten Lippenumrissen.

30.04.2005 Göppingen
24.04.2004 Göppingen - ausgesprochen kräftige Exemplare in einer 5er- Gruppe -
24.04.2004 Göppingen - bereits an diesen beiden direkt nebeneinander wachsenden Exemplaren wird auch die Variabilität in der Lippenform- und -größe deutlich -
Hybriden: Aus Mitteleuropa mit Anacamptis pyramidalis und An. coriophora bekannt.
01.05.2003 Herrsching am Ammersee - typische Blütenform und Farbe -
15.05.2005 Weilheim in Oberbayern - im Biotop -
24.04.2004 Göppingen - mit einem Durcmesser von 23 mm sehr große und ausgebreitete Lippe -
15.05.2005 Weilheim in Oberbayern - lusus rosea -
30.04.2005 Göppingen -lusus alba -15.05.2005 Weilheim in Oberbayern - rechts sehr dunkel gefärbte Pflanze, links lusus rosea -30.04.2005 Göppingen - "normal gefärbte Gruppe -
30.04.2005 Göppingen - Alle drei Blütenstände sind vom gleichen Wuchsort. Die Variabilität der Blütenstände ist auch in Mitteleuropa recht groß -