Cephalanthera damasonium (MILLER) DRUCE 1906

Bleiches Waldvögelein
Bas.:
Serapias damasonium MILLER (1768)
Syn.:
Epipactis alba CRANTZ (1769)
Epipactis pallens
SWARTZ in SCHRADER (1806)
Cephalanthera alba
(CRANTZ) SIMONKAI (1886)
Cephalanthera pallens L.C.M. RICHARD (1817)

Verbreitung:
In der meridionalen bis temperaten Zone Europas und Vorderasiens verbreitet. Westlich von der Iberischen Halbinsel, östlich bis in den nordpersischen Raum.
Im Mittelmeergebiet ist sie relativ selten und fehlt in einigen Gebieten wie z. B. Sardinien, Kreta und Zypern. Im Norden erreicht sie auf der Höhe der Insel Gotland ihre nördliche Verbreitungsgrenze.
In Mitteleuropa ist sie hauptsächlich in den Kalkgebieten vorkommend und ist eine typische Pflanze der Kalkbuchenwälder und fehlt somit in weiten Teilen des Tieflandes und in den Silikat-Mittelgebirgen.
Vertikal liegt der Schwerpunkt im Flach- und Hügelland in Höhen zwischen 0 - 900 m, in Südeuropa bis 1800 m.

Standort: in der Regel auf Kalk in schattigen Laub- und Nadelwäldern, oft in Rotbuchen - Wäldern, aber auch in Lärchen und Kiefernforsten zu finden; außerdem an Waldrändern, Gebüschen oder auch Parkanlagen

Blütezeit:
von (Mitte) Ende Mai bis Ende Juni (Mitte Juli)

Merkmale
Habitus: Wuchshöhe 20 - 50 cm, schlanke, aber relativ kräftige Pflanze die aufgrund der Fähigkeit zur vegetativen Vermehrung hin und wieder in kleinen Grüppchen stehen kann,
mit 2-3 Schuppenblättern am Stängelgrund und weiteren 2 - 5 hellgrünen, flach ausgebreiteten, länglich eiförmigen und am Rande etwas gewellten, schräg oder waagerecht abstehenden Laubblättern; Stängel kahl, hellgrün, im oberen Bereich kantig werdend und im Blütenstandsbereich deutlich geschlängelt; an sehr schattigen Standorten treten nicht selten auch vermehrt nichtblühende ( sterile) Sprosse auf
Blütenstand: locker mit bis zu 20 relativ großen Blüten, untere Tragblätter groß, die Blüten bis um das dreifache überragend, laubblattartig, nach oben hin kleiner werdend
Blüten relativ groß, kaum geöffnet (Autogamie), schräg oder gar senkrecht nach oben stehend, weißlich cremefarbig bis elfenbeinfarbig, nicht so reinweiß wie bei Cephalanthera longifolia

Sepala 15 - 20 mm lang, eiförmig lanzettlich, in einer stumpfen Spitze endend, die seitlichen sind nicht oder kaum abstehend, deutlich größer als die Lippe, meist mit den Petala zusammengeneigt, so dass sich die Blüte kaum öffnet
Petala etwas kleiner als Sepala
Lippe
10 - 14 mm lang, zweigliedrig, Hypochil (Lippenhinterteil) 4 - 6 mm lang, am Ende sackartig vertieft und an dieser Stelle innen gelb, von außen eher bräunlich, Epichil (Lippenvorderteil) dreieckig herzförmig bis breitoval, Seitenränder etwas aufgestellt und leicht gezahnt, Lippenspitze nach unten gebogen, bis auf die Randbereiche eidottergelb gefärbt mit meist 3 gelben Längsleisten.
Sporn fehlt (!)
Säule gerade zur Fruchtknotenlängsachse verlaufend, lang zylindrisch, an deren Ende eine beinah halbkugelige Anthere sitzt, die auf der Unterseite geöffnet ist; der obere Rand der schildförmigen, elliptischen Narbe sitzt höher als die Basis der klebrigen Pollenpakete; bereits im Knospenstadium gelangen die Pollenpakete mit dem oberen Narbenrand in Kontakt und treiben Pollenschläuche, bleiben aber dadurch mehr oder weniger in ihrer Position und können von Insekten noch entfernt, so dass auch Insektenbestäubung noch möglich bleibt (partielle Autogamie).

13.05.2007 Pöcking bei Starnberg - ein relativ vielblütiger Blütenstand -
28.05.2005 Herrsching - typisch cremefarbige, nur sehr
wenig geöffnete Einzelblüte -
13.05.2007 Pöcking bei Starnberg - Habitus -
13.05.2007 Pöcking bei Starnberg - Säule von vorn -
Hybriden:
mit Cephalanthera longifolia, C. rubra, C. kotschyana, C. epipactoides, Epipactis atrorubens und Epipactis helleborine bekannt.
28.05.2005 Herrsching
13.05.2007 Pöcking - der Säulenbau von der Seite gesehen -
13.05.2007 Pöcking - Sekundärbiotop, in diesem Falle eine leichte Hangböschung im Ortsgebiet des Starnberger Stadtteils Pöcking, in diesem Falle mit Ahorn besetzt -