Cephalanthera longifolia (LINNÉ) FRITSCH (1888)

Schwertblättriges Waldvögelein
Bas.:
Serapias helleborine var. longifolia LINNÉ (1753)
Syn.:
Epipactis ensifolia MURRAY (1791)
Epipactis longifolia WETTSTEIN (1889)
Cephalanthera ensifolia
(MURRAY) L.C.M. RICHARD (1817)
Cephalanthera xyphophylla REICHENBACH fil. (1851)
Cephalanthera angustifolia SIMONKAI (1887)

Verbreitung:
Ähnlich wie bei Cephalanthera damasonium ist sie in fast ganz Europa verbreitet, wobei sich das Gebiet von C. longifolia noch wesentlich weiter ausdehnt.
Südlich von Nordafrika und der Levante bis beinah gesamt Großbritannien, wo sie zwar selten, aber bis in den Norden der britischen Inseln anzutreffen ist. Die Grenze im Norden erreicht sie in Süd- Skandinavien.
Vom Westen reichen die Vorkommen vom marokkanischen Atlas- Gebirge bis zum Südosten des Kaspischen Meeres. Nach einer Verbreitungslücke im iranischen Hochland kommt sie wieder vom afghanischen Hindukusch- Gebirge über den Himalaja, beinah bis zum Ostchinesischen Meer vor. Auf Kreta und Zypern fehlt sie.
Aus dem Libanon wurden 2005  etwas abweichende Pflanzen aus dem Libanon- Gebirge als ssp. conferta
BAUMANN & BAUMANN beschrieben. Diese weisen einen etwas gedrängteren Blütenstand und etwas längere untere Tragblätter auf.
In Mitteleuropa ist C. longifolia noch relativ gut verbreitet, jedoch vor allem in weniger kalkreichen Gebieten in recht starkem Rückgang begriffen.
In Deutschland ist sie vor allem in der Norddeutschen Tiefebene, Brandenburg, Sachsen und auch Nordbayern sehr selten oder beinah komplett verschwunden.
Vertikal besiedelt sie Areale bis in 1400 m Höhe, im Himalaya gar bis 4000 m.

Standort: auf Kalk und Urgestein, ist jedoch nicht an Kalk gebunden, sondern gedeiht auch auf neutralem oder schwach (!) saurem Untergrund. Sie ist deutlich lichtbedürftiger als C. damasonium und kommt weniger oder gar nicht in stark beschatteten Arealen vor. Bevorzugt werden trockene bis frische, trockenwarme Kiefernmisch- und Tannenwälder, lichte Buchenwälder, seltener auch Eichenwälder.
Gern steht sie an grasigen Wald- und Wegesrändern.
Wird die Beschattung durch Verbuschung o.ä. zu groß, gehen die Bestände deutlich zurück.

Blütezeit:
niedere Lagen von Mitte Mai bis Anfang Juni, in den montanen Stufen der Alpen bis Ende Juni.
Im Mittelmeergebiet kann die Blüte bereits Anfang April beginnen.

Merkmale
Habitus: Wuchshöhe 20 - 50 cm, aufgrund der reichen und langen Beblätterung, sowie meist reinweißen Blüten ist es eine auffallende Erscheinung.
Am relativ kräftigen Stängel sind 7-10, lineal-  lanzettliche, abstehende bis überhängende, grüne Laubblätter streng zweizeilig (!) verteilt. Die Länge der Blätter kann bis zu 18 cm und die Breite bis 4 cm betragen, die Spitze ist lang ausgezogen (!).
Blütenstand: variabel, je nach Lichtangebot, von locker wenigblütig bis dichter und vielblütig, mit bis zu 30, meist schneeweißen Blüten. Die unteren Tragblätter können länger als der Fruchtknoten und laubblattartig sein, nach oben hin folgende sind aber mit ca. 2 - 5 mm Länge sehr klein und schmal, insgesamt viel kleiner als bei C. damasonium.
Allerdings ist dies kein stetes Merkmal, da bei vielen Exemplaren das vergrößerte unterste Tragblatt nicht vorhanden ist (siehe Bilder unten).
Blüten mittelgroß, in der Regel rein weiß, sehr selten creme- farbig oder lachsrosa (var. rosea PERKO (2002)) ,
nur bei warmer, trockener Witterung weiter geöffnet, aufgrund der nach vorn gerichteten Sepala fast geschlossen wirkend, jedoch im Schnitt offener und eher waagerecht vom Stängel abstehend (bei C. damasonium schräg bis senkrecht nach oben gerichtet); Fruchtknoten kahl, schlank und relativ lang.
Sepala bis 18 mm lang und 6 mm breit, lanzettlich, spitz endend, wie bei C. damasonium die seitlichen nicht oder kaum abstehend, deutlich größer als die Lippe, meist mit den Petala zusammengeneigt und nach vorn gerichtet
Petala ovaler, kleiner als Sepala und stumpf endend
Lippe
kaum die Hälfte der Sepal- Länge erreichend, etwas aufgerichtet, gegliedert in Hypochil und Epichil.
Vorderlippe (Epichil) mit aufgebogenen Rändern und 4 - 6 gelblich- orangen Längsleisten, die bis zum abwärtsgebogenen stumpf rundlichen Lippenende reichen, Hypochil (Hinterlippe) ebenfalls mit aufgestellten Seitenlappen und einem orangefarbenen Fleck am Grund der etwas sack-förmigen Vertiefung.
Sporn fehlt (!)
Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, meist durch Bienen oder anderen Hautflüglern. Der Fruchtansatz ist relativ niedrig. Durch vegetative Vermehrung kommt es nicht selten zur Bildung kleiner Gruppen.

01.06.2003 Wildbad- Kreuth
15.06.2006 - Wendelstein/ Bayern
15.06.2006 - Wendelstein/ Bayern - vielblütige Exemplare an lichbegünstigtem Wuchsort -
01.06.2003 Wildbad- Kreuth - knospendes Exemplar in schattigeren und etwas frischeren Waldrandbereich -
Hybriden:
aus Europa und der Türkei mit Cephalanthera caucasica, C. damasonium,
C. epipactoides, C. kotschyana, und C. rubra bekannt.
01.06.2003 Wildbad- Kreuth - Einzelblüte -
15.06.2006 - Wendelstein/ Bayern - wie Porzelan wirken die rein weißen Blüten - 15.06.2006 - Wendelstein/ Bayern - Waldrand des montanen Fichtenwaldes als Biotop -
01.06.2003 Wildbad- Kreuth - Exemplar mit großem ersten Tragblatt -01.06.2003 Wildbad- Kreuth - Exemplar ohne großes erstes Tragblatt -19.06.2004 Hochobir in Kärnten/ Österreich viel- und realtiv dichtblütige Exemplare am sonnigen Wegesrand -