- Epipactis albensis NOVÁKOVÁ & RYDLO (1978)

Elbe- Ständelwurz
Syn.:
Epipactis latifolia f. gracilis DAGEFÖRDE in HEGI (1909)

Verbreitung: Die Kenntnis des Gesamtareals der 1968 in Böhmen entdeckten Art erweitert sich ständig und Neufunde sind in Zukunft sicherlich noch zu erwarten. Nach heutigem Wissenstand erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet vom österreichisch-ungarischem Grenzgebiet über Böhmen entlang der Flüsse wie z. B. March, Thaya, Moldau, Oder und der Elbe bis nach Ost-Sachsen und Brandenburg, sowie bis nach Polen.
Bei dem Fund einer Epipactis- Pflanze in Südtirol, welcher als Erstnachweis für Epipactis albensis in Italien veröffentlicht wurde
(HOFFMANN V. Jour. Eur. Orch. 36 (2). 2004) handelt es sich mit Sicherheit nicht um E. albensis! Somit ist dieser geographische Nachweis dieser Art leider zu streichen.
Die Populationen sind in der Regel nicht sehr individuenreich und reagieren auf forstwirtschaftliche Maßnahmen, zu starkem Wildverbiss, oder in der Veränderung des Boden-Wasserhaushaltes, sehr empfindlich.
Höhenverbreitung
bis 400 m
Standort:
anfangs galten hauptsächlich die flussbgleitenden und damit regelmäßig Überschwemmungen ausgesetzten Auwälder mit Altwasserbereichen, wo sie gern am Rand steht, als bevorzugter Standort. Nach dem Auffinden weiterer Populationen an anderen Orten erweiterte sich aber das Spektrum auch auf Hain- und Rotbuchenwälder. Wichtig scheint ein frischer bis leicht feuchter, schwachsaurer und mäßig stickstoffreicher Boden und eine hohe Luftfeuchtigkeit zu sein. So steht sie an lichten bis schattigen Stellen mit reichlich Falllaub und genügend Feuchtigkeit.
Im österreichischen Burgenland stehen die Pflanzen unter anderem in unmittelbarer Nähe eines kleinen Baches, teilweise sogar mitten im spärlich wasserführenden Bachbett.
Eine typische Begleitpflanze ist das Hexenkraut Circacaea lutetiana.

Blütezeit: spät, (Ende Juli) - Anfang - Ende August (Anfang September), etwa zeitgleich mit Epipactis pontica und Epipactis nordeniorum in A, deutlich nach Epipactis helleborine in D.

Merkmale:
Habitus:
Wuchshöhe 9-30 cm, durch das hohe Ansetzen des unteren Laubblattes wirkt die Art meist etwas "stelzig", meist einzeln, nur sehr selten in lockeren Gruppen zusammnestehend (wahrscheinlich aus unterschiedlichen Rhizomen treibend)
Stängel stets hellgrün, etwas hin und her gebogen, bei jungen Pflanzen dünn, bei älteren relativ dick, im Bereich des Blütenstandes unauffällig kurz behaart, unten kahl
Niederblätter 1 - 2, sehr klein und scheidig tütenförmig, oftmals zur Blütezeit schon braun
Laubblätter
(2 - 4) meist aber 3, eiförmig bis eilanzettlich, waagerecht abstehend, oder gebogen mit nach unten gerichteter, fast eingerollter Blattspitze, deutlich nerviert und hellgrün, kürzer oder bis 1,5 (-2) mal länger als die Stängelglieder besitzt keine tragblattähnlichen Hochblätter sondern ein laubblattähnliches unteres bis zweitunterstes Tragblatt!
Brakteen unterstes laubblattänlich, schmal lanzettlich, 1,5 - 2,5 x länger als die Blüte, das zweite schon wesentlich kleiner und schmaler, nach oben hin deutlich kleiner werdend, die unteren waagerecht abstehend und überhängend
Blütenstand etwa ein Drittel des Triebes einnehmend, locker mit 1 - 18 Blüten besetzt, teils einseitwendig (dann von der Seite gesehen "kammförmig"), teils leicht spiralig
Fruchtknoten 6 - 9 mm lang, kahl oder nur schwach behaart, mäßig dick, auf 2 - 4 mm langen Stielchen sitzend
Blüten
gleichmäßig anfangs waagerecht abstehend, mit zunehmend geschwollenem Fruchtknoten herabhängend, klein, gelblichgrün, schwach geöffnet bis glockenförmig, bei ungünstigen Witterungbedingungen auch gar nicht öffnend
Sepala hell- gelblichgrün, eiförmig lanzettlich und lang zugespitzt, etwa 8,5 - 11 mm lang
Petala in Form und Farbe recht variabel, teils den Sepala sehr ähnlich und nur wenig heller (Brandenburg), oder "blumiger" weißlich mit rosa Hauch und grünem Mittelnerv (z.B.im Burgenland)
Hypochil
(Lippenhinterteil) halbkugelig, innen blass bräunlich bis braunrot mit nur wenig Nektarproduktion
Durchgang vom Hypochil zum Epichil
variiert von eng spaltförmig bis mäßig breit "V"- oder "U" -förmig
Epichil
(Lippenvorderteil) herzförmig dreieckig, mit aufgebogenen grünen Rändern, etwa gleichbreit wie, oder breiter als lang, gerade nach vorn gerichtet, zugespitzt, am Rand grünlich, in der Mitte und am Kallus meist weiß, manchmal leicht rosa.
Säule
mit kurzem Klinandrium und bereits in der Knospe
deutlich gestielter, sehr großer Anthere, Rostellum gerade vorgezogen, fingerförmig (nicht zwischen den Pollinien versteckt), bereits in der Knospe ohne Viscidium (Klebscheibe); oberer kissenförmiger Narbenbereich "flieht" fast parallel zur Säulenachse nach hinten, der unterer Narbenrand ist konsolenartig aufgesetzt und "hufeisenförmig" abgerundet
Pollinien überragen bereits in der Knospe weit den oberen Narbenrand, bleiben aber meist im kurzen Klinandrium liegen, werden schnell pulverig und bröseln auf die Narbe
Bestäubung autogam (Selbstbestäubung)
Die Blüten werden, sobald sie einen Spalt geöffnet sind, sehr gern und häufig von Ameisen besucht, die dann die einzelnen Pollen komplett auf der Narbe verteilen können.

Zum direkten Vergleich mit Epipactis fibri hier klicken!

10.08.2006 Südburgenland/ Österreich - ist die Blüte einen Spalt geöffnet, laben sich die Ameisen am spärlich angebotenem Nektar -
06.08.2006 Südburgenland/ Österreich - Habitus -
10.08.2006 Südburgenland/ Österreich - Blütenstand -
08.08.2005 Brandenburg Kreis Dahme-Spree - eine etwas abweichende Sippe, die blütenmorphologisch eher zu Epipactis lebtochila tendiert -
06.08.2006 Südburgenland/ Österreich - die Anthere wirkt bei Epipactis albensis etwas überdimensioniert, die Ränder des Epichils sind leicht nach oben gebogen -
08.08.2005 Brandenburg Kreis Dahme-Spree - die Pflanzen stehen mitunter auch am Wegesrand -
Hybriden: keine bekannt
06.08.2006 Südburgenland/ Österreich - die Blüten öffnen sich meist nur glockenförmig; so wie hier abgebildet präsentieren sich die unauffälligen Blüten dem von oben schauenden Betrachter-
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08.08.2005 Brandenburg Kreis Dahme-Spree - die Säule von unten; gut erkennbar der konsolenartig aufgesetzte untere Narbenlappen, der in diesem Falle fast zweigeteilt ist --
08.08.2005 Brandenburg Kreis Dahme-Spree - die Anthere ist bei dieser Sippe ausgesprochen stark gestielt und schiebt die Pollinien weit über den oberen Narbenrand -
10.08.2006 Südburgenland/ Österreich - Epipactis albensis steht hier im spärlich wasserführenden
Bachbett -
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06.08.2006 Südburgenland/ Österreich - die Antheren sind deutlich weniger gestielt als die der brandenburgischen Sippe -
08.08.2005 Brandenburg Kreis Dahme-Spree - nicht nur blütenmorphologisch, sondern auch habituell weicht diese Sippe von der typischen Epipactis albensis unseres Erachtens ab -09.08.2005 Sachsen - knospend -