Epipactis distans ARVET-TOUVET (1873)

Kurzblättrige Ständelwurz

Wuchshöhe 15- 60 cm.
Aus einem starken Rhizom können bis zu 20 Triebe entwickelt werden, so dass öfters Grüppchenbildung zu beobachten ist.
Der Stängel ist gerade und relativ dick.
Die untersten Laubblätter sind verhältnismäßig weit über dem Untergrund angesetzt und umschließen den Stängel. Weiterhin sind die wenigen Laubblätter kürzer als bei E. helleborine , steif, stängelumfassend und ca. 45° nach oben stehend. Die Länge beträgt das 1- bis max. 1,5-fache der Internodien (Abstände zwischen den Blattansätzen).
Der Blütenstand ist sehr lang gestreckt, schlank und vielblütig
.
Die Blüten sind groß, weit geöffnet und im Gegensatz zu Ep. helleborine nur blass gefärbt. Die Perigonblätter sind etwas glockig zusammengeneigt, die Sepalen innen blassgrün, außen manchmal leicht rosa gefärbt und eiförmig lanzettlich geformt. Die kleineren Petalen sind weißlich bis blassrosa gefärbt und auch breit lanzettlich geformt.
Bei E. distans sind breite Petalen mit einem schmalen Lippenvorderteil, welches etwas kleiner als bei helleborine ist, kombiniert. Das Verhältnis liegt zwischen 0,7 -0,8 (Epichil/ Petalen).
Das herzförmige Epichil ist weiß bis blassrosa , der Mittelkiel grünlich- braun bis kräftiger rosa gefärbt.
An der Blüte läßt sich Ep. distans von Ep. helleborine nur sehr schwer unterscheiden, da alle Merkmale und eventuelle Abweichungen in das Variationsspektrum von Ep. helleborine fallen können. Allerdings sind die Blüten bei Ep. distans in der Regel etwas blasser, auf dem Epichil findet man bei ep. distans einen intensiver und deutlich ausgeprägten Mittelkiel.
Ausschlaggebend für die Unterteilung sind vor allem die vegetativen Pflanzenteile, insbesondere der auffällige Habitus mit seinen kleinen, schräg aufwärts gerichteten löffelförmigen Blätter.
Die verkleinerte Blattoberfläche und der relativ weite Abstand des ersten Laubblattes vom Boden weisen auf die Anpassung an warme und trockene Standorte hin.
Ein weiterer Unterschied zu Ep. helleborine ist der frühere Blühtermin. Sie blüht ungefähr zur gleichen Zeit wie Ep. atrorubens und somit ca. 10-14 Tage vor Ep. helleborine im gleichen Biotop.
Ihre Gesamtverbreitung ist noch nicht gänzlich erforscht, da diese Art erst 1992 "wiederentdeckt", jedoch bereits 1872 als Epipactis distans beschrieben wurde. Nach derzeitigem Wissenstand erstreckt sich das Gebiet im Westen bis zu den Pyrenäen über die Alpen in den Osten bis Tschechien und nördlich bis Mittelschweden.
Ihre Biotopsansprüche teilt sie mit E. atrorubens, welche ein steter Begleiter ist. So steht sie meist fast unbeschattet auf flachgründigen Böden über Schotter- und Felsuntergrund, mit wenig Wasserspeichervermögen.

Aber auch Ep. helleborine
kann in ihrer unmittelbaren räumlichen Umgebung vorkommen, die aber wie bereits erwähnt später blüht und generell keine allzu spezifischen Ansprüche an ihre Standorte stellt. Epipactis distans hingegen schon!
Sie ist kalkstet und praktisch immer in der Nähe von Kiefern zu finden, was auf eine spezielle Bindung an einen Wurzelpilz der Kiefer hindeuten könnte. Schattige Stellen meidet sie. Einzelpflanzen können sich zwar ab und an auch einmal an schattigere Bereiche "verirren", werden aber in der Regel von heller stehenden, typischen Pflanzen begleitet.
Ihre Blütezeit liegt in den niedern Lagen Anfang bis Mitte, in der höheren subalpinen Stufe Ende Juli.
Einen detailierten, hochinteressanten Artikel über diese Art ist 2006 von W. WUCHERPFENNIG veröffentlicht worden. (WUCHERPFENNIG, W. (2006) Jour. Eur. Orch. 38 (3): 625 - 666:
Wie nützlich sind Merkmale des Habitus für die Bestimmung von Epipactis- Arten? - 2. Epipactis distans und Epipactis helleborine subsp./var. orbicularis
In dieser Arbeit wird ausfühlich dargelegt, dass die mitteleuropäischen Populationen mit den französischen identisch sind, sowie Ep. distans keine Unterart von Ep. helleborine ist, sondern im Art- Rang geführt werden sollte.

22.06.2003 Mittenwald
21.07.2004 Wolfratshausen - Habitus -
21.07.2004 Wolfratshausen - die kräftigen Stängel mit kleinen, schräg aufwärts gerichteten Blättern -
21.07.2004 Wolfratshausen -ein sehr aktiver Bestäuber: Dolichovespula saxonica -
Hybriden:
mit Epipactis atrorubens
,
bekannt.
21.07.2004 Wolfratshausen - der Säulenbau ist mit ssp. helleborine praktisch ident -
15.07.2006 Mittenwald
15.07.2006 Mittenwald
15.07.2006 Mittenwald - wenn die Pollinien nicht entnommen werden, beginnen sie mit fortschreitender Anthese von oben her trocken und bröckelig zu werden -
15.07.2006 Mittenwald - die Pollinien wurden von einem Insekt herausgezugen, aber dann verloren -
21.07.2004 Wolfratshausen - Habitus -15.07.2006 Mittenwald - Habitus -
21.07.2004 Wolfratshausen - bei diesen Pflanzen stimmen Wuchsort, Habitus, Blütezeit und Färbung der Blüte mit einer typische distans überein - aber die Blüten weisen eine extrem große Ähnlichkeit zu Ep. helleborine auf. --
22.06.2003 Mittenwald -Habitus -
15.07.2006 Mittenwald - Biotop hier sind die besonnten Wegesränder, wiederum in Gesellschaft der Hiefer --
21.07.2004 Wolfratshausen - das Biotop; trockener und wärmebegünstigter Kiefernwald -
22.06.2003 Mittenwald
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