- Epipactis greuteri var. greuteri H. BAUMANN & KÜNKELE (1981)

Greuters Ständelwurz
Syn.:
Epipactis flaminia P.R. SAVELLI & ALESSANDRINI
Epipactis greuteri ssp. flaminia H. BAUMANN & KÜNKELE 2004
Epipactis greuteri var. flaminia KREUTZ 2004

Verbreitung: Die Art wurde im Jahre 1981 aus Nordgriechenland beschrieben. Ihr Gesamt-verbreitungsgebiet erstreckt sich von Süd- bis Mitteleuropa. Derzeit sind Vorkommen aus Griechenland, Italien, Kroatien, Slowenien, Österreich, Slowakei, Tschechien und Deutschland bekannt.
Die mitteleuropäischen Vorkommen sind jedoch sehr isoliert.
Höhenverbreitung
500 - 1500 m
Standort:
sehr schattige und windgeschützte, feuchte Buchen- Tannen- Mischwälder, Schluchtwälder (Burgenland in Österreich), Bergtannenwälder (Griechenland); Fichtenhochwälder (Thüringen)
Lebensnotwendig scheint eine hohe Luftfeuchtigkeit zu sein. So wachsen die Pflanzen im Burgenland in unmittelbarer Nähe eines Baches und in Thüringen im Bereich von Dolinen, die die morgendliche Feuchte länger halten. kalkstet

Blütezeit: Mitte/ Ende Juli - Anfang August, nach Epipactis helleborine

Merkmale:
Habitus:
Rhizom bis zu 4 Stängel tragend, jedoch oft einzeln stehend; mit bis zu 65 cm relativ hochwüchsig und auffallend, durch die im oberen Bereich meist schlaff überhängenden Blätter etwas "durstig" und durch das recht hoch angesetzte erste Blatt zudem stelzig wirkend. Sie ähnelt ziemlich der Epipactis muelleri.
Sterile Exemplare sind bisher nicht beobachtet worden.
Stängel grün, mäßig dick, aber steif, bis zur Mitte nur spärlich behaart und im Bereich des Blütenstandes kurz grau-weiß filzig
Niederblätter 3 - 4, scheidig und manschettenartig, ca. 2 - 3 cm lang
Laubblätter
4 - 6, hell- bis dunkelgrün, meist rinnig, schmal spitz eiförmig, im Verhältnis zur Pflanzenhöhe relativ kurz (die größten ca. 2 Stängelglieder lang), am Rand deutlich gewellt, abstehend und bogenförmig herabhängend
Brakteen auffallend groß, schmal lanzettlich, alle herab - bzw. überhängend, die unteren mehrfach länger als die Blüten, nach oben hin kürzer werdend
Blütenstand relativ lang (ca. ein Drittel bis Hälfte der gesamten Pflanzenhöhe einnehmend)
, meist reich- und lockerblütig ; nicht deutlich einseitwendig, mit ca. 5-35 Blüten besetzt
Fruchtknoten auffallend schlank spindelförmig, 3 - 5 mal länger als breit und leicht gebogen; bildet mit dem schräg aufwärts gerichteten, relativ langem und unbehaarten Blütenstiel einen Winkel von Ca. 90°
Blüten mittelgroß, herabhängend glockenförmig bis weit geöffnet, von weitem hellgrün
Sepala blassgrün, relativ schmal und lang (die Lippe deutlich überragend), lanzettlich und an den Enden oft zurückgebogen
Petala etwas heller als Sepala, mit grünem Mittelnerv, ebenfalls recht schmal
Hypochil
(Lippenhinterteil) innen grün bis manchmal braungrün, nektarführend
Durchgang vom Hypochil zum Epichil
mäßig breit und variierend von flach bis relativ tief
Epichil
(Lippenvorderteil) in Form und Farbe sehr variabel, halbrund, dreieckig bis herzförmig, weißlich bis hellgrün, vor allem im Bereich der Kalli intensiver grün, manchmal etwas bräunlich angehaucht (z.B. im Burgenland)
Die Säule ist in ihrer Ausprägung im Verbreitungsgebiet recht unterschiedlich. So besitzen die Pflanzen im österreichischem Burgenland in frisch geöffneten Blüten ein Viscidium (Klebscheibe), was aber nicht funktionstüchtig ist, wohingegen beispielsweise die thüringischen Pflanzen bereits in der Knospe keines aufweisen. Auch das Klinandrium kann unterschiedlich lang sein, teilweise ist es sehr kurz, oft aber auch völlig reduziert, das Rostellum ist nicht in das Klinandrium gebogen; Staubbeutel (Anthere) am Gipfel meist stumpf, seltener spitz, kurz und nicht gebogen
Pollinien überragen ähnlich wie bei Epipactis muelleri oder peitzii bis zur Hälfte oder auf ganzer Länge die Narbe. in letzterem Fall sitzen sie mit ihrer Basis dem oberen Narbenrand auf
Bestäubung autogam (Selbstbestäubung)

03.08.2005 Thüringen - Einzelblüte -
07.08.2004 Thüringen - Habitus -
Foto: S. SCZEPANSKI
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07.08.2004 Thüringen -Blütenstandsauschnitt -
Foto: S. SCZEPANSKI
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03.08.2005 Thüringen - die Blüten öffnen sich meist kaum -
Hybriden: trotz Autogamie mit Epipactis helleborine und Ep. purpurata bekannt
03.08.2005 Thüringen - Einzelblüte; auffallend an der thüringischen Population sind die ungleichmäßigen Ränder der Blütenblätter --
03.08.2005 Thüringen - Einzelblüte von der Seite; in diesem Falle ist der kurzgestielte Staubbeutel am Gipfel leicht zugespitzt - die Pollinien ragen hier zur Hälfte über den oberen Narbenrand -
03.08.2005 Thüringen - in krautreicher Vegetation sind die Pflanzen weniger auffallend --
03.08.2005 Thüringen
07.08.2004 Thüringen - hier befindet sich das Biotop in einem Fichtenhochwald -
Foto: S. SCZEPANSKI
06.08.2006 - Burgenland / Österreich - Biotop - die Pflanzen waren hier leider bereits komplett verblüht -