-Epipactis neglecta KÜMPEL (KÜMPEL) (1996)

Übersehene Ständelwurz

Wuchshöhe 25- 40 cm.
Der recht kräftige hellgrüne Stängel ist im oberen Bereich leicht behaart. Die dunkelgrünen, schlaffen, mehr oder weniger herabhängenden Laubblätter sind im unteren Bereich eiförmig-lanzettlich, nach oben hin lanzettlicher werdend und in Tragblätter übergehend.
Die unteren der lineal-lanzettlichen Blütentragblätter (Brakteen) sind deutlich länger als die Blüten.

Der Blütenstand variiert von dicht- bis lockerblütig.
Die relativ großen, nach unten nickenden Blüten sind zunächst weit geöffnet, neigen sich im Verlauf der Anthese aber glockig zusammen. Die spitz zulaufenden Sepalen sind grünlich, die kleineren Petalen etwas heller, teilweise leicht rosa gefärbt.
Der Lippenvorderteil (Epichil) kann ähnlich wie bei Epipactis leptochila länglich zugespitzt sein, aber auch etwas kürzer und herzförmig.
In den meisten Fällen ist die Spitze von vorn aber nicht zu sehen, da sie nach unten oder halb-seitlich zurückgeschlagen ist. Die Färbung ist grünlich mit einem mehr oder weniger intensiven violetten Anflug.
Der Durchgang zum flachen, halbkugeligen Hypochil ist eng und hat meist die Form eines Ausrufezeichens. Das Hypochil führt Nektar und ist innen rotbraun bis braunviolett gefärbt .
Eine Klebscheibe ist zwar in den meisten Fällen vorhanden, aber bereits kurz nach dem Knospensprung funktionslos. Die Pollinien sind dann schon bröselig und rutschen auf den oberen Narbenrand. Die Anthere ist kaum gestielt.
Obwohl Fundorte dieser Ständelwurzart recht selten sind, so erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet doch über ganz Mitteleuropa, südlich bis Südtirol, westlich bis nach Frankreich und östlich erreicht sie in Tschechien ihre Grenze.

Ähnlich wie Epipactis leptochila, mit welcher sie auch zusammen vorkommen kann, besiedelt sie hauptsächlich wenig besonnte Stellen in wärmebegünstigten Buchenmischwäldern auf kalkhaltigem Untergrund. Weitere begleitende Ständelwurze können Epipactis helleborine, mülleri und Epipactis microphylla sein.
Blütezeit ist von Anfang Juli bis Anfang August, ca. 10 Tage vor ssp. leptochila und deutlich vor E. helleborine.
Ihre Höhengrenze erreicht sie bei ca. 1000 m.

25.07.2004 bei Türkenfeld / Bayern - Blütenstand -
25.07.2004 bei Türkenfeld / Bayern - Habitus einer jungen Pflanze-
Hybriden:
mit Epipactis helleborine bekannt.
25.07.2004 bei Türkenfeld / Bayern - frisch geöffnete Blüte-
25.07.2004 bei Türkenfeld / Bayern - die Säule von der Seite --
25.07.2004 bei Türkenfeld / Bayern
25.07.2004 bei Türkenfeld / Bayern - das Biotop; ein thermophiler Orchideen-Buchenwald -