- Epipactis peitzii H. NEUMANN & W. WUCHERPFENNIG (1996)

Peitz' Ständelwurz
Syn.:
Epipactis leptochila ssp. peitzii C.A.J. KREUTZ 2004
Epipactis leptochila var. peitzii P. DELFORGE 2004
Epipactis muelleri ssp. peitzii P. DELFORGE 1997

Standort: Der derzeit einzige bekannte Fundort liegt in einem Rotbuchenwald über Massenkalk im nördlichen Taunus. Hier stehen die Pflanzen teils sehr schattig auf humosen, etwas steinigen Untergrund mit viel Falllaub, oder zum Teil in durch Ausforstungen lichteren Bereichen. Die Bodenoberfläche wird als neutral in der Literatur angegeben. Begleitpflanzen sind die typischen Arten des sogenannten Cephalanthero-Fagetum- Waldes: Cephalanthera damasonium, Ceph. rubra, Neottia nidus-avis und in der weiteren Umgebung Epipactis purpurata.
Auf Trockenheit reagiert Epipactis peitzii sehr empfindlich.

Verbreitung: gesichert bisher nur vom Taunus, weitere Entdeckungen sind natürlich nicht ausgeschlossen.

Blütezeit: Mitte/ Ende Juli - Anfang August, etwa zur gleichen Zeit wie Epipactis purpurata

Merkmale:
Habitus:
15 - 30, selten bis 35 cm hoch, meist einzeln, nur selten in kleinen Grüppchen stehend, sterile Triebe sind kaum beobachtet worden;
Stängel grün, relativ kräftig, kaum hin- und hergebogen, im unteren Bereich kahl und im Blütenstandsbereich dicht und kurz behaart
Niederblätter 1 - 2, scheidig und schuppenähnlich, in der Regel im Falllaub verborgen und zur Blütezeit vertrocknet
Laubblätter 2- 4, dunkelgrün, dünn lederartig, steif, mit ungewelltem Rand, spitz eiförmig und mehr oder weniger stark schräg aufwärts gerichtet, etwa 1,5 - 2 mal so lang wie die Internodien
Brakteen waagerecht abstehend bis leicht aufwärts gerichtet, die unteren etwa doppelt so lang, die oberen gleichlang wie die Blüten, Blattrand fast glatt oder nur sehr flach gezähnt
Blütenstand deutlich einseitwendig, circa ein Drittel bis ein Viertel der Pflanzenhöhe einnehmend, mit bis zu 20 Blüten besetzt (Durchschnitt 13)
Fruchtknoten mit kurzem, grünen Stiel, grün, fast kahl und nur undeutlich gerippt, nach erfolgter Bestäubung rasch anschwellend
Blüten blass weißlich grün mit nur wenig rosa- Anteilen, waagerecht abstehend bis leicht nickend, zu Beginn relativ weit geöffnet, jedoch nach erfolgter Bestäubung sich bald schließend
Sepala Rand etwas heller, sonst beiderseits blassgrün, etwa 11 mm lang und 4 mm breit
Petala etwas kürzer als Sepala bei gleicher Breite, Grundfarbe weißlich grün mit meist rosafarbener Randpartie
Hypochil
(Lippenhinterteil) halbkugelig schüsselförmig, innen dunkel rosa bis rotbraun, seltener olivgrün, außen grünlich; nur wenig mit Nektar gefüllt
Durchgang vom Hypochil zum Epichil
relativ eng und "U"- förmig
Epichil
(Lippenvorderteil) weißlich grün, konkav, in der Regel so lang wie breit, breit herzförmig mit vorgestreckter Spitze und leicht herabgeschlagenen Seitenrändern, so dass optisch eine Art Mittelachse bzw. verlängerter Mittelkiel entsteht, oder mit schräg zurückgekrümmter Spitze; Kalli stark entwickelt und wie der Mittelkiel rosa bis bräunlich angehaucht
Säule bereits in der Knospe ohne Viscidium, die Narbe steht senkrecht zur Säulenachse, das Klinandrium ist extrem zurückgebildet und wird durch die Pollinien und das Rostellum verdeckt, sodass die Pollinien beinah komplett über den Narbenrand ragen und mit der Basis bereits am oberen Narbenrand oder gar der Narbenfläche selbst zu haften scheinen.
Pollinien relativ kompakt und auch in fortgeschrittenem Blühstadium nicht bröselnd. Sie kippen meist im gesamten Paket auf die Narbe herunter
Bestäubung autogam (Selbstbestäubung)

02.08.2005 Taunus
02.08.2005 Taunus - Habitus; die Pflanzen stehen meist einzeln -
02.08.2005 Taunus - Blütenstandsauschnitt -
Hybriden:
keine bekannt
02.08.2005 Taunus
02.08.2005 Taunus - Einzelblüte von der Seite; das Epichil ist teilweise sark zurück geschlagen -
02.08.2005 Taunus - durch das stark reduzierte Klinandrium kippen die kompakten Pollinien auf die Narbenfläche -
02.08.2005 Taunus - Einzelblüte von vorn; die Pollinien haften nur am basalen Ende am oberen Narbenbereich -
02.08.2005 Taunus - die Seitenflanken der Vorderlippe sind dachartig leicht nach unten gerichtet und es entsteht so stark verlängerter Mittelkiel -
02.08.2005 Taunus - das Biotop -