- Epipactis purpurata G.E. SMITH (1828)

Violette Ständelwurz
Syn.:
Epipactis viridiflora HOFFMANN ex KROCKER 1814
Epipactis helleborine ssp. varians S1941

Standort: schattige, frische Laub- oder Nadelmisch-
wälder oder gar reinen Fichtenforsten hauptsächlich in Mittelgebirgshöhen bis maximal 1500 m.
Durch das vertikal wachsende Rhizom mit bis zu 50 Ausläufern, welche etwa 70 cm tief in das Erdreich vordringen, benötigt sie tiefgründige, kalkhaltige Böden.
Meist sind die Biotope relativ krautreich, jedoch kann sie durch die Pilzsymbiose in dunkle Bereiche des Waldes vordringen, wo viele andere Pflanzenarten keine Überlebenschance mehr haben.

Verbreitung: in Mitteleuropa ist sie hauptsächlich in den Mittelgebirge zu finden. Einen Verbreitungs-schwerpunkt bildet Baden-Württemberg. In weiten Gebieten Norddeutschlands fehlt sie völlig.
Im Norden Europas erreicht sie Dänemark, im Osten die baltischen Staaten und das Moldaugebiet, im Süden bis Rumänien und im Westen kommt sie in etwa bis Grenobel in Frankreich und im Südteil Englands vor.
Trotz ihres relativ großen Verbreitungsgebietes ist sie doch recht selten anzutreffen.

Blütezeit: Juli bis September, hauptsächlich aber in der ersten Augusthälfte; etwas 2 - 3 Wochen nach Epipactis helleborine

Merkmale:
Habitus:
20 - 90 cm hoch, aufrecht, gelegentlich etwas gebogen, aus einem Rhizom entspringen oft mehrere Stängel (es wurden Gruppen mit bis zu 38 blühenden Trieben gezählt, meistens aber 4 - 8);
Niederblätter 2 - 3, scheidig und schuppenähnlich
Laubblätter 4 - 14, relativ klein, mehr oder weniger oval geformt, schmal und spitz zulaufend, fast gleichmäßig, ± spiralig am Stängel verteilt, manchmal auch in zwei gegenständigen Reihen, die unteren mehr als zweimal so lang als breit, die oberen tragblattähnlich, die unteren tütig zusammengeneigt, dunkelgrün bis grünviolett, vor allem auf der Rückseite meist stark violett gefärbt und stark geadert
Brakteen dunkelgrün und meist violett überlaufen, schmal lanzettlich, horizontal abstehend, die Blüten überragend, nach oben hin kleiner werdend
Stängel steif und relativ dick, grau-grünlich und meist mehr oder weniger stark violett überlaufen, in der oberen Hälfte kurz und dicht grau behaart; oberirdisch gibt es ausnahmslos blühende Triebe.
Blütenstand ± leicht einseitwendig, langgestreckt mit bis zu 40 Blüten besetzt
Fruchtknoten lang gestielt, grün mit violetten Anteilen, ± im rechten Winkel vom Stängel abstehend und nur spärlich behaart
Blüten relativ groß, stets weit geöffnet und grün weißlich gefärbt mit Violetttönen auf dem Lippenvorderteil und den Sepalaußenseiten
Sepala 8 - 15 mm lang und 6 - 8 mm breit, eiförmig, kapuzenförmig spitz, außen dunkler grün und violett überlaufen und leicht behaart, innseitig hell- olivgrün
Petala etwas kleiner als Sepala, Grundfarbe weißlich grün und teilweise leicht violett überlaufen, außenseitig mit schwach hervortretendem grünlichen Mittelnerv
Lippe im Gesamten ca. 8 - 10 mm lang und weißlich-rosa
Hypochil
(Lippenhinterteil) halbkugelig schüsselförmig, innen rosa-violett, mit Nektar gefüllt
Epichil
(Lippenvorderteil) weiß gefärbt (wie Porzellan wirkend), herzförmig, in etwa so lang wie breit, am Durchgang mit 2 - 3 glatten, meist rosagefärbten Wülsten (Kalli), Spitze meist etwas zurückgebogen
Säule weißlich und kurz, mit gut ausgebildeter und funktionstüchtiger Klebscheibe (Viscidium), Pollenschüssel ausgebildet, Narbenfläche schräg nach hinten gerichtet
Pollinien kompakt, in der Regel nicht bröselnd
Bestäubung erfolgt allogam, meist durch Wespen oder Hummeln

15.08.2004 Lkr. Starnberg
20.07.2005 Lkr. Starnberg - dichtstehende Blütentriebe aus einem Rhizom -
31.07.2005 Mulhouse im Elsass - oft fungieren Wespen als Bestäuber -

Seltene Spielarten:

lusus rosea
ERDNER

lusus clorophylla SEELAND

Hybriden:
mit E. helleborine und Epipactis leptochila bekannt.
15.08.2004 Lkr. Starnberg - bei diesen Exemplaren ist die Violettfärbung des Stängels und der Blätter kaum ausgebildet -
15.08.2004 Lkr. Starnberg
31.07.2005 Mulhouse im Elsass
15.08.2004 Lkr. Starnberg - die Säule von der Seite -
15.08.2004 Lkr. Starnberg - Biotop; die Pflanzen wachsen zum beträchtlichen Teil direkt am Wegesrand und sind durch Wegverbreierungsmaßnahmen gefährdet -31.07.2005 Mulhouse im Elsass - beim "Naschen" aus der Nektarschüssel werden die am Kopf der Wespe angeklebten Pollinien an die Narbenwand gedrückt -