Neottia ovata (L.) BLUFF & FINGERH.

Großes Zweiblatt
Bas.:
Ophrys ovata LINNÉ (1753)
Syn.:
Helleborine ovata (L.) ALLIONI (1785)
Epipactis ovata (L.) CRANTZ (1769)
Listera ovata (L.) BROWN in W.T.AITON (1813)
Listera multinerva
(L.) PETERMANN (1844)

Anmerkung:
Bereits in früheren Zeiten wurden aufgrund morphologischer Merkmalsgemeinsamkeiten die Gattungen Listera und Neottia bereits vereinigt.
In der Tat besitzen alle drei europäischen Arten der Gattung Neottia beispielsweise einen sehr ähnlichen Blütenbau. Alle drei Arten sind spornlos, besitzen aber eine nektarbildende Grube (Nektarium). Sie produziert den bestäuberanlockenden Nektar, der sich in einer Furche längs über die Lippe bis zum V- Einschnitt der beiden Lippenzipfel zieht.
Speziell der Vorgang der Bestäubung und der damit zusammenhängende Säulchenbau ist bei allen 3 europäischen Species fast gleich und im Buch über "Die Orchideen Nordrhein-Westfalens" von J. CLAESSENS & J. KLEYNEN (2001) sehr schön beschrieben.
Als Trennungsmerkmal könnten wiederum die fehlenden Blätter und Chlorophyllosigkeit von nidus-avis angeführt werden. Allerdings könnte nidus-avis ebenso gut einen grün beblätterten Vorfahr gehabt haben. Außerdem gibt es derartige Fälle einer nahen Verwandtschaft grünbeblätterter mit chlorophyllfreien Arten auch in der Gattung Cephalanthera.
Ein morphologisches Bindeglied könnte vielleicht die in Asien vorkommende Neottia listeroides darstellen. Diese ebenfalls mykotroph lebende Art ist unserer nidus-avis habituell sehr ähnlich, in den grünen Blüten wiederum kommt sie nahe an ovata.

Verbreitung:
Neottia ovata ist eine sehr stabile und kaum variable Art ohne allzu spezielle Ansprüche an ihre Umgebung. Dadurch ist sie vor allem in den temperaten Klimazone Europas bis nach Asien nicht selten und allgemein weit verbreitet. In den mediterranen Gegenden beschränken sich ihre Vorkommen meist auf kühlere Waldregionen.
In Mitteleuropa ist sie eine häufige, wenn nicht sogar die häufigste Orchideenart.
Zu ihren Biotopen zählen leicht beschattete Wiesen, lichte Laub- und Mischwälder, Parkanlagen, Wegränder.
Wie oben bereits angedeutet stellt sie keine speziellen Ansprüche und kommt über leicht versauertem und nährstoffreicheren Untergrund ebenso wie auf kalkreichem vor.

Da sie aber ofmals gern in Gesellschaft weiterer, meist seltenerer Orchideenarten zu finden ist, ist sie als Indikator für wertvolle Biotope sehr hilfreich.

Blütezeit: beginnend Ende April bis weit in den Sommer, je nach Höhenlage

Merkmale:
Habitus:
schlanke Pflanze mit einer Wuchshöhe bis zu 60 cm, Stängel steif, bei höheren Pflanzen etwas drahtig wirkend, bei niederwüchsigen eher dick und stämmig, grün bis bräunlich gefärbt, leicht filzig behaart.
Etwas über dem Grund befinden sich 2 (ganz selten mehr) große, breit eiförmige und mehrnervige Laubblätter beinah gegenständig angeordnet,
Blütenstand lange, lockere, allseitswendige und relativ vielblütige Ähre mit, aufgrund der grünen bis leicht gelblich bräunlichen Blüten relativ unauffällig, Bracteen klein, herzförmig zugespitzt und in etwa so lang wie das grüne bis rötlich braune Blütenstielchen;
Fruchtknoten rundlich, spindelförmig, etwas kürzer als der Blütenstiel
Blüten spornlos, gelblich (vor allem nach sehr kühlen Perioden während der Knospenphase) oder grün
Perigonblätter konkav gewölbt, etwas nach vorn gerichtet und einen sehr lockeren Helm bildend und leicht bräunlich gerändert
Lippe
grün oder gelb-grün, tief zweispaltig mit stumpf endenden Zipfeln, am Grund mit einem nektarproduzierendem Grübchen, herabfließender Nektar ist meist als glänzender Längsstrich in der Mitte der Lippe sichtbar und lockt verschiedenste Insekten an
Bestäubung in der Regel allogam, das Rostellum ist als relativ großer Lappen nach vorn gerichtet, während die Pollinien oberhalb gelagert sind. Bei der leichtesten Berührung wird ein sehr klebriges Sekret abgesondert und die Pollinien werden an den Kopf oder Rücken des nektarsuchenden Insektes geheftet. Sofort nach der Entnahme der Pollinien biegt sicht der zuvor vorgestandene Rostellumlappen nach unten und schützt somit den Narbenbereich vor einer Bestäubung mit eigenem Pollen. Erst nach einer geraumen Weile, meist wenn das Insekt die Pflanze bereits verlassen hat biegt es sich wieder nach oben, vertrocknet und macht den Weg zum Narbenbereich für andere Insekten, nun zur Bestäubung, wieder frei.

25.05.2003 Lechaue in Bayern
25.05.2003 Lechaue in Bayern
03.05.2002 Lkr. Starnberg
17.06.2006 Bad Tölz - vielleicht ein Bestäuber -
17.06.2006 Bad Tölz - leicht beschattet am Rande einer Baumgruppe --
Hybriden:
Keine
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01.05.2007 Landsberg/ Lech - auch Ameisen laben sich gern am Nektar und folgen der Spur bis zum Nektarium -