Anacamptis boryi (REICHENBACH fil. ) R.M. BATEMAN, PRIDGEON & M.W. CHASE

Borys Knabenkraut
Bas.:
Orchis boryi
REICHENBACH fil. 1851
Syn.
Orchis morio ssp. boryi (REICHENBACH fil.) SÓO 1929
Orchis boryi var. alba C. ALIBERTIS & A. ALIBERTIS 1989

Standort: Sie besiedelt vollbesonnte, wiesige Biotope mit extensiver Beweidung auf oberflächlich versauerten Böden ebenso wie Wiesenareale in Eichen- oder Zypressenwäldern. Dichte Dornstrauch-vegetation oder zu starke Verbuschung wird aufgrund des eintretenden Lichtmangels gemieden. Ebenfalls können zu trockene Habitate nicht besiedelt werden, da sie zur Vegetationsperiode einen etwas erhöhten Wasserbedarf hat und somit eher in den bergigeren Regionen mit genügend Niederschlag als in den Küstengebieten zu finden ist.
Auf Kreta siedeln die stärksten Populationen über Serpentin, auf den Peleponnes über Kalk bzw. Schiefer (WILLING, B. & E. WILLING 1986).

Verbreitung:
Das Verbreitungsgebiet von Anacamptis boryi ist nur sehr klein. Es beschränkt sich auf die ostmediterrane Südägäis mit Verbreitungs-schwerpunkten vor allem auf Kreta und den südlichen Peleponnes. Vereinzelte Vorkommen sind noch von den Sporaden und Kykladen bekannt. Anacamptis boryi ist ein Endemit Südgriechenlands und ersetzt zu großen Teilen innerhalb ihres Verbreitungsgebietes Anacamptis morio s.l..
Gemeinsame Vorkommen sind bisher z.B. von der Sporadeninsel Skiathos bekannt, wo es auch zur Hybridenbildung kommt (BIEL, B.; Ber. Arbeitskr. Heim. Orchid. 20 (1): 73-71; 2003).
Auf Kreta kommt An. boryi vor allem im zentralen Inselbereich teilweise in individuenreichen Populationen vor. Wir selbst fanden sie allerdings nur an einer Stelle bei Armeni südlich von Rethymnon in einer eher übersichtlichen Population vor, was aber wahrscheinlich an unserer etwas frühen Reisezeit lag.
Höhenverbreitung von 500 - 1400 m.

Blütezeit:
Ende März/ Anfang April bis Anfang Mai, abhängig von der Höhenlage

Merkmale
Habitus: Wuchshöhe 10 - 35 cm, von relativ zierlicher Gestalt mit einem meist im oberen Bereich violett überlaufenen Stängel an dessem Grund sich bis zu 9 glattrandige, lineal-lanzettliche, leicht rinnig gefaltete und im Verhältnis zur Wuchshöhe relativ lange Laubblätter in einer Rosette angeordnet befinden. Die oberen sind aufgerichtet und umhüllen den Stängel scheidig.
Auf den ersten Blick konnte man sie in aufgeblühtem Zustand mit Anacamptis morio - Vertreter verwechseln.
Blütenstand: von oben nach unten aufblühend (!), was so innerhalb der Gattung Anacamptis nur noch bei An. israelitica vorkommt, relativ locker mit selten mehr als 15 Blüten besetzt, kaum länger als breit, nur bei sehr kräftigen Exemplaren verlängert; Tragblätter eiförmig und violett überlaufen, etwa halb so lang wie der Fruchtknoten; Blüten mittelgroß, violett gefärbt mit hohem Blauanteil
Sepala breit eiförmig, keinen geschlossenen Helm bildend, nach vorn gerichtet, nicht nach außen gedreht; intensiver als die Lippe gefärbt, längs nerviert und im Zentrum ähnlich wie bei An. morio grünlich gefärbt,
Petala etwas kleiner als die Sepala, jedoch von gleicher Färbung und über die Säule geneigt
Lippe
leicht dreigelappt mit nur wenig vorgezogenem Mittellappen, an der Basis schmal keilförmig, dann sich dreiecksförmig verbreiternd mit leicht gezackten Seitenrändern; farblich stets mit dunklerem Rand und zum Zentrum und der Basis hin heller bis fast weiß werdend, mit dunklen zweireihig angeordneten Punkten im hellen medialen Bereich, Anzahl der Punkte und die Intensität der Färbung ist recht variabel
Sporn: dünn, sich gleichmäßig verjüngend, in etwa so lang wie der Fruchtknoten

26.03.2005 Armeni - Anacamptis boryi blüht von oben nach unten auf! -
26.03.2005 Armeni - Habitus -
26.03.2005 Armeni - Infloreszens -
26.03.2005 Armeni - ein Größenvergleich -

Hybriden:
An. fragrans, An. morio ssp. caucasica , An laxiflora und An. papilionacea ssp. messenica bekannt.
Letztere Hybride ist bei gemeinsamen Vorkommen beider Taxa nicht selten.

26.03.2005 Armeni
26.03.2005 Armeni - relativ typische Lippe -
26.03.2005 Armeni
26.03.2005 Armeni - im Biotop -
26.03.2005 Armeni - bei diesem Exemplar ist die Lippe stärker dreigeteilt und der Mittellappen relativ lang vorgzogen -
26.03.2005 Armeni - Einzelpflanze im Biotop bei Armeni -
26.03.2005 Armeni