Ophrys villosa DESFONTAINES (1807)

Zottige Ragwurz

Bas.:
Ophrys villosa DESFONTAINES 1807
Syn.
Ophrys tenthredinifera ssp.villosa H. BAUMANN & KÜNKELE 1986

Verbreitung:
Die Gesamtverbreitung erstreckt sich von der südlichen Balkanhalbinsel über das griechische Festland und den ägäischen Inseln inkl. Rhodos bis zum mediterranen Bereich der Südwest-Türkei. Von Zypern ist sie lediglich von einem Fundort im Westen der Insel bekannt.
Auf Kreta kommt sie im gesamten Gebiet vor, mit Schwerpunkten im südlichen Inselzentrum und Osten der Insel.


Standort:

meist in Gesellschaft anderer Ophrys- Arten in lückiger, wiesiger Phrygana, (lichten) Kiefernwäldern, naturbelassenen Olivenhainen, Brachland, Straßen- und Wegrändern über basischem bis kalkhaltigem Grund, verträgt aber offenbar auch leicht sauren Untergrund;
teils steht sie vollsonnig, teils leicht beschattet oder im wenig lichten Kiefernwald (beispielsweise am südlichen Stadtrand von Rethymnon).

Blütezeit:

beginnt mit der Blüte sehr früh, auf Kreta Anfang März, auf Rhodos sogar bereits im Februar. Während auf Kreta die Pflanzen bis Ende April beobachtet wurden, konnten wir auf Rhodos in der ersten Aprilhälfte keine blühenden Pflanzen mehr finden.

Kurze Anmerkung zum tenthredinifera-Komplex auf Kreta:

Im Jahre 2005 beschrieb P. DELFORGE im Natural.belges 86 (Orchid. 18) (2005) mit Ophrys dictynnae und Op. leochroma zwei weitere Arten des tenthredinifera-Komplexes von Kreta. Ophrys dictynnae ist sehr frühblühend und ist Anfang März bereits verblüht.
Ophrys villosa s.str. besitzt relativ kleine Blüten und blüht im März. Ophrys leochroma ist großblütig, oft mit einem breiten gelben Rand versehen und blüht von Ende März bis Anfang Mai.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir hier auf dieser Seite teilweise eher Ophrys leochroma abbilden, statt Ophrys villosa s. str.. Ganz sicher sind wir uns da allerdings nicht, so dass wir die Zuordnung vorerst bei Ophrys villosa belassen.
Die Abgrenzung weiterer im Mittelmeer- Raum vorkommenden Arten des tenthredinifera-Aggregates werden sehr ausführlich von DEVILLERS, P., DEVILLERS-TERSCHUREN, J. & D. TYTECA im Jour. Eur. Orch. 35 (1): 109 - 161 (2003) dargelegt.

Merkmale:
Habitus:
Häufig in Gruppen und gedrungen wachsende, aufgrund des recht dicken Stängels stämmig wirkende Pflanze mit hellgrünen bis gelblich grünen Blättern.
Die unteren sind breit eiförmig- lanzettlich und rosettig gehäuft, die 1-3 weiter oben angesetzten und teils stängelumschließenden sind eher länglich lanzettlich und schräg aufwärts gerichtet. Tragblätter hellgrün bis weißlich, teils mit Farbanflug der Perigonblätter, deutlich länger als der Fruchtknoten, meist auf Höhe des Säulchens endend; Blütenstand in Hochblüte locker mit bis zu 8 Blüten besetzt.
Blüten relativ groß, schräg abstehend, sehr attraktiv durch die "bunte" Erscheinung aufgrund der oftmals rosa Perigonblätter, des gelben Lippensaumes und des dunkleren Lippenzentrums
Sepala: groß und breit eiförmig mit meist nach hinten umgebogenen Rändern, das mittlere Sepal etwas schmaler als die seitliche, bei etwas fortgeschrittenem Blühstadium biegen sich die Sepala nach hinten; farblich variierend von grün, über weißlich, blass rosa oder kräftig pinkfarben
Petala gleich Färbung wie Sepala ohne Zu- oder Abnahme der Farbintensität (nicht kontrastiert), kurz, breit dreieckig, behaart, stark nach vorn gerichtet, nur die Enden biegen sich wieder nach oben.
Lippe etwas verlängert, ausgebreitet, trapezförmig bis quadratisch im Erscheinungsbild, konvex gewölbt, ohne deutliche querverlaufende Einschnürung, "Schultern" relativ breit und nicht "hängend" mit nur schwach entwickelten Höckern.
Die Seitenränder des unteren Lippenbereichs sind leicht nach oben gebogen
Lippenrandbereich meist breit gelblich grün, jedoch kann das Braun des Lippenzentrums ab und an auch in die Randpartien ausstrahlen.
Die gesamte Lippe ist von einem gleichmäßig breiten, gut abgegrenzten Haarkranz, bestehend aus langen, relativ dicken, meist honigfarbenen Haaren, umrahmt, der lediglich oberhalb des Anhängsels etwas schmaler wird. Im Außenbereich der "Schultern" ist die Behaarung am stärksten, nach unten etwas kürzer werdend, um dann links und rechts des Anhängsels wieder etwas verlängert aufzutreten. Ein eigentliches, deutliches Haarbüschel über dem Anhängsel fehlt, oder ist durch die leicht verlängerten Härchen des Kranzes lediglich angedeutet.
Allerdings muss angemerkt werden, dass das Art-Epitheton villosa (zottig) wörtlich genommen für die hier vorgestellten Pflanzen nicht, oder nur bedingt zutrifft. Die Haare sind zwar dick und relativ lang, aber nicht lang genug um bei trockener Witterung zottig zu wirken.
Lippenmal auf den basalen Teil der Lippe beschränkt, klein, stahlblau- dunkelgrau, hellgrau umrandet, teilweise nur halbkreisförmig, teilweise nach unten mit zwei Ausläufern;
schließt das fast immer rötliche, halbkreis- oder breit zungenförmige Basalfeld ein
Narbenhöhlengrund olive- bis dukelbraun, gelegentlich auch rötlich gefärbt, die glänzenden Schwielen des Narbenbänkchens sind zu verlängerten, dunkel olivfarbenen bis -grauen Wülsten ausgebildet und enden nicht in Pseudo- Augen
Anhängsel schmal, steil nach oben gerichtet, in einer tiefen Einbuchtung sitzend
Bestäuber: auf Kreta Eucera dimidiata, auf dem griechischen Festland und den Ionischen Inseln wurde jedoch Eucera nigrilabis rufitarsus als Bestäuber beobachtet.

21.03.2005 Armeni
21.03.2005 Armeni - Habitus -
23.03.2005 Drigies - "Jailpic" mit Maßstab im Millimeter-Raster -

21.03.2005 Armeni

27.03.2005 Saktouria
Hybriden:
mit Op. bombyliflora, Op. fusca s.l., Op. candica, Op. episcopalis, Op. heldreichii, Op. apifera, Op. spruneri und Op. ariadnae bekannt.
29.03.2007- artenreiches Biotop an einer kleinen Kapelle nordwestlich von Drigies -
23.03.2005 Drigies

28.03.2005 Rethymnon - teolweise findet man auch Pflanzen im verhältnismäßig schattigen Kiefernwald

26.03.2005 Armeni - monströse Blüte mit 3 Säulen, 3 mittleren Sepala und 3 Petala -
21.03.2005 Armeni
23.03.2005 Drigies - Blüte mit relativ kräftig gefärbten Perigon -