Ophrys villosa DESFONTAINES (1807)

Zottige Ragwurz

Bas.:
Ophrys villosa DESFONTAINES 1807
Syn.
Ophrys tenthredinifera ssp.villosa H. BAUMANN & KÜNKELE 1986

Verbreitung:
Die Gesamtverbreitung erstreckt sich von der südlichen Balkanhalbinsel über das griechische Festland und den ägäischen Inseln inkl. Rhodos bis zum mediterranen Bereich der Südwest-Türkei. Von Zypern ist sie lediglich von einem Fundort im Westen der Insel bekannt.
Auf Rhodos konnten wir die frühblühende Vertreterin des tenthredinifera- Komplexes nur noch an wenigen Stellen blühend antreffen. Allerdings scheint sie über den gesamten Inselbereich in geeigneten Biotopen vertreten zu sein.

Standort:

Sie ist in den lichten Kiefernwäldern ebenso vertreten wie in den kalk- und damit auch artenreichen Biotopen der Phrygana. So konnten wir etliche abblühende Exemplare bei Kattavia beobachten.

Blütezeit:

auf Rhodos von (Mitte) Ende Februar bis Mitte März, zum Großteil vor ihrer dunkelblütigeren Verwandten Op. leochroma, allerdings sind Nachzügler auch noch Ende März anzutreffen.


Merkmale:
Habitus:
Häufig in lockeren Gruppen und gedrungen wachsende, aufgrund des recht dicken Stängels stämmig wirkende Pflanze mit hellgrünen bis gelblich grünen Blättern.
Die unteren sind breit eiförmig- lanzettlich und rosettig gehäuft, die 1-3 weiter oben angesetzten und teils stängelumschließenden sind eher länglich lanzettlich und schräg aufwärts gerichtet. Tragblätter hellgrün bis weißlich, teils mit Farbanflug der Perigonblätter, deutlich länger als der Fruchtknoten, meist auf Höhe des Säulchens endend; Blütenstand in Hochblüte locker mit bis zu 8 Blüten besetzt.
Blüten relativ groß, schräg abstehend, sehr attraktiv durch die "bunte", kontrastreiche Erscheinung aufgrund der oftmals rosa Perigonblätter, des gelben Lippensaumes und des dunkleren Lippenzentrums. Jedoch weist Ophrys villosa eine hellere Lippenfärbund als Op. leochroma auf.
Sepala: groß und breit eiförmig mit meist nach hinten umgebogenen Rändern, das mittlere Sepal etwas schmaler als die seitliche, bei etwas fortgeschrittenem Blühstadium biegen sich die Sepala nach hinten; farblich variierend von grün, über weißlich, blass rosa oder kräftig pinkfarben
Petala gleich Färbung wie Sepala ohne Zu- oder Abnahme der Farbintensität (nicht kontrastiert), kurz, breit dreieckig, behaart, stark nach vorn gerichtet, nur die Enden biegen sich wieder nach oben.
Lippe etwas verlängert, ausgebreitet, trapezförmig bis quadratisch im Erscheinungsbild, konvex gewölbt, ohne deutliche querverlaufende Einschnürung, "Schultern" relativ breit und nicht "hängend" mit nur schwach entwickelten Höckern.
Die Seitenränder des unteren Lippenbereichs sind leicht nach oben gebogen
Lippenrandbereich meist breit gelblich grün, jedoch kann das Braun des Lippenzentrums ab und an auch in die Randpartien ausstrahlen.
Die gesamte Lippe ist von einem gleichmäßig breiten, gut abgegrenzten Haarkranz, bestehend aus langen, relativ dicken, meist honigfarbenen Haaren, umrahmt, der lediglich oberhalb des Anhängsels etwas schmaler wird. Im Außenbereich der "Schultern" ist die Behaarung am stärksten, nach unten etwas kürzer werdend, um dann links und rechts des Anhängsels wieder etwas verlängert aufzutreten. Ein eigentliches, deutliches Haarbüschel über dem Anhängsel fehlt, oder ist durch die leicht verlängerten Härchen des Kranzes lediglich angedeutet.
Lippenmal auf den basalen Teil der Lippe beschränkt, klein, stahlblau- dunkelgrau, hellgrau bzw. honigfarben umrandet, teilweise nur halbkreisförmig, teilweise nach unten mit zwei Ausläufern;
schließt das fast immer rötliche, halbkreis- oder breit zungenförmige Basalfeld ein
Narbenhöhlengrund hellbraun, gelegentlich auch rötlich gefärbt, jedoch stets wesentlich heller als bei Op. leochroma. Die glänzenden Schwielen des Narbenbänkchens sind zu verlängerten, dunkel olivfarbenen bis hellbraunen Wülsten ausgebildet und enden nicht in Pseudo- Augen.
Die Narbenhöhle ist schmäler und im Verhältnis zur Breite höher als bei Ophrys leochroma.
Anhängsel schmal, steil nach oben gerichtet, in einer tiefen Einbuchtung sitzend
Bestäuber: auf Kreta Eucera dimidiata, von Rhodos sind uns keine Beobachtungen bekannt.

16.03.2008 Kattavia
17.03.2008 Profilia
17.03.2008 Profilia - noch relativ ansehnliche Blüten im schattigeren Kiefernwald auf einer Höhe von ca. 260 m über dem Meer -

19.03.2008 Kolymbia - während Ophrys leochroma sich hier in Hochblüte, teilweise sogar noch in Knospe befand, war Op. villosa komplett verblüht.
Zugegebenermaßen kein schönes Fotomotiv mehr, aber ein wichtiger Hinweis darauf, dass beide Sippen in einem Biotop vorkommen, phänologisch getrennt sind und nach unseren Beobachtungen keine Übergänge bilden.

Hybriden:
mit Op. bombyliflora, Op. fusca s.l., Op. candica, Op. episcopalis, Op. heldreichii, Op. apifera, Op. spruneri und Op. ariadnae bekannt.
16.03.2008 Kattavia - "Jailpic" mit Maßstab im Millimeter-Raster -
16.03.2008 Kattavia - artenreiches Biotop südlich des Städtchens --
16.03.2008 Kattavia - gut erkennbar die breite gelb-grünliche Randpartie -
25.03.2008 Faliraki