Neotinea maculata (DESFONTAINES) STEARN (1975)

Gefleckte Waldwurz, Keuschorchis

Bas.: Satyrium maculatum DESFONTAINES 1799
Syn.: Orchis intacta LINK 1800

Standort: Zu ihren Standorten zählen lichte, krautarme Nadel- und Laubwälder, Gebüschränder, buschige Magerrasen und buschige Phrygana. Sie steht auf trockenen bis frischen, schwach sauren bis basischen Böden.
In Sardinien steht sie gern in den Randbereichen der Steineichenwälder.

Blütezeit:
Ende März bis Mitte (Ende) April

Verbreitung:
Ihre Verbreitung umfasst das Mittelmeergebiet und die mittelatlantischen Inseln wie Madeira und die Kanaren (fehlt auf Lanzarote und Fuerteventura). Weiterhin gibt es inselartige Vorkommen im nördlicheren atlantischen Gebiet auf Irland und der Isle of Man.
Obwohl die Gefleckte Waldwurz im Mittelmeerraum und sicherlich auch auf Sardinien weit verbreitet ist, trafen wir sie nicht häufig an.
Lediglich in den Waldgebieten um Dorgali und in den Wäldern Süden der Insel fanden wir wenige vereinzelte Exemplare.

Merkmale:
Habitus: Wuchshöhe 8 - 30 cm,
teilweise mit kräftiger Blattrosette am Grund und 1 - 3, den Stängel scheidig umhüllenden oberen Blättern;
Blätter
länglich elliptisch geformt, meist gefleckt und bläulichgrün bis rötlich gefärbt, nicht selten aber auch ungefleckt;
Stängel schlank, in der Regel etwas hin und her gebogen, oft mit dunklen Strichen.
Blütenstand
dicht und reichblütig, in der Länge variierend von 20 - 80 mm, zylindrisch, auf den ersten Blick eher unscheinbar
Tragblätter häutig, kürzer als der Fruchtknoten
Blüten sehr klein, farblich variierend von grünlich blass, elfenbein weiß über rosa bis dunkelrot.
Sepala und Petala bilden einen meist geschlossenen, nach vorn gerichteten Helm mit einer Länge bis 4 mm
Lippe in der Grundfarbe weißlich mit mehr oder weniger intensiver roten bis purpurnen Fleckung, stark dreigelappt, 3 - 5 mm lang, mit rechteckigem Mittellappen, der wiederum dreizähnig endet;
Seitenlappen konisch, meist vom Mittellappen abgespreizt.
Sporn sehr kurz (1 - 2 mm) und konisch, etwas abwärts gebogen
In Ihrem Erscheinungsbild ist Neotinea maculata eigentlich unverwechselbar.


06.04.2007 Dorgali
06.04.2007 Dorgali - sonnig stehende Pflanzen mit eigenartig weit geöffneten Blüten --> siehe unten

Hybriden:
KOHLMÜLLER, R. gelang der Fund der Hybride Orchis anthropophora x Neotinea maculata in Süditalien im Jahre 1987.
DIE ORCHIDEE 39 (5); 189-190, 1988

06.04.2007 Dorgali
06.04.2007 Dorgali - Ausschnitt eines Blütenstandes mit ungewöhznlich weit geöffneten Blüten. Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass sich die Pollinien aus ihren Fächern lösen, in Richtung Lippe "rutschen" und sich wahrscheinlich auf diesem Wege fast immer selbst bestäuben. Dieser Effekt tritt auch bei den geschlossenen Blüten auf und erklärt den sehr hohen Fruchtansatz.
10.04.2007 Domusnovas - typischer Blütenstand einer schattig stehenden Pflanze -